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Freitag, 9. Oktober 2009, 15:47

Infos über Landsberg und die Ortsteile Gollma, Gütz und Reinsdorf

Stadt Landsberg und die Ortsteile Gollma, Gütz und Reinsdorf

... ein kleines verträumtes Städtchen mit ländlichem Charakter, den es sich bis heute bewahrt hat ...

Diese nette Umschreibung hat bis in die Gegenwart ihre Gültigkeit. Nun kann man diese Äußerung aus mindestens zweierlei Sicht betrachten. Einerseits ist es für viele Besucher Landsbergs ein Erlebnis, durch die verwinkelten Straßen und Gassen zu schlendern, manch altes Eckchen urwüchsigen Ortsbildes zu entdecken oder den Anstieg des Kapellenberges zu bewältigen, um von hier oben den Blick in die Ferne schweifen zu lassen. Andererseits gibt es Einwohner, die den "ländlichen Charakter" mit anderen Augen sehen, nämlich dann, wenn man täglich mit ihm leben muss.

Unzweifelhaft ist in den früheren Jahrzehnten manches auf der Strecke geblieben, was an sich zum normalen Leben gehört. Bei den einfachsten Vorhaben steht aber oftmals ein Problem: der Felsen. Etwa 270 Millionen Jahre ist es her, als durch Erdspalten zähflüssiges Magma an die Erdoberfläche befördert wurde und zu den heutigen Porphyrbergen erstarrte. Vier davon gibt es in unmittelbarer Nähe, den Spitz-, den Pfarr-, und den Gützer Berg, sowie im Ort den Kapellenberg. Auf letzterem gibt es eine Stelle, an der die erstarrten Fließformen noch sehr schön zu sehen sind. Später prägten Eismassen die Form der umliegenden Landschaft, deren Arbeitsspuren am östlichen Hang des Pfarrberges zu finden sind.

Lage:

ca. 15 km östlich von Halle/Saale im Schnittpunkt wichtiger Verkehrsanbindungen:

* nördlich die B 100 (1 km)
* östlich die A 9 (5 km)
* westlich die A 14 (10 km)
* Eisenbahnhaltepunkt der Strecke Halle-Berlin
* südlich der Eisenbahnhaltepunkt Landsberg-Süd (2 km) der Strecke Halle-Delitzsch / Eilenburg / Torgau
* nordwestlich der Verkehrslandeplatz Oppin (10 km)
* südöstlich der Flughafen Schkeuditz (15 km)

Geschichte

Die Gegend um Landsberg war schon seit frühester Zeit ein interessanter Siedlungsbereich. Zahlreiche ur- und frühgeschichtliche Funde belegen das. Durch Ausgrabungen wurde 1933 eine bedeutende slawische Wallburg nachgewiesen, die Sitz eines Fürsten gewesen sein muss, worauf der wertvolle Fund einer weiblichen Schädelbestattung eindeutig hinweist. In der Bezeichnung "civitas holm" fanden wir im Jahre 961 die erste urkundliche Erwähnung Landsbergs. Die slawische Burg wurde zur frühdeutschen Reichsburg. Im Verlauf der Ostexpansion wurden Markgrafen (Statthalter des Königs) in den Grenzmarken eingesetzt. So war die Reichspolitik in unserem Raum über viele Jahrhunderte von immer neuen Eroberungen und Unterwerfungen der slawischen Stammesgebiete gekennzeichnet.

Im Jahre 1136 entstand durch Stiftung Konrads von Wettin, Markgraf von Meißen, eine kleine dreischiffige Basilika mit Westturmanlage an Stelle der heutigen Doppelkapelle. 1156 vollzog Konrad die "Wettinische Länderteilung" und Dietrich, sein zweitgeborener Sohn, erhielt das Osterland und die Lausitz. Dieser ließ den Burgenbau beginnen und übernahm die vorhandene Basilika als Eigenkirche. Als Dietrich dann 1185 erbenlos starb, folgte sein jüngerer Bruder Dedo als Markgraf, der starb aber bereits 1190 an den Folgen einer Operation. Konrad von Landsberg, ein Sohn Dedos, wurde Markgraf und 1195 (nach der Aufhebung der Mark Meißen) ranghöchster Reichsfürst im sächsischen Raum. 1195-1200 ließ dieser die Basilika zur Doppelkapelle umbauen und starb 1210 erbenlos. Dietrich, der Markgraf von Meißen, wurde mit der Lausitz (damit Landsberg) belehnt, es gibt nun keinen eigenständigen Markgrafen der Lausitz mehr.

Die reichsunmittelbaren Burggrafen, die Schenken von Landsberg, waren um 1350 die Herren der Herrschaft Landsberg. Später kam es wegen einer Erbschaftsforderung gegen die sächsischen Herzöge zum Rechtsstreit, dann zur Fehde und in Folge dessen zur Verhängung der Reichsacht über die Schenken (1509). Einige Jahre später (1514) wurde unter dieser Voraussetzung die gesamte Burg Landsberg zerstört und der reichsunmittelbare Burgbezirk von den Wettinern in Besitz genommen.

Im südlichen Bereich des Fleckens Landsbergs siedelten Handwerker und Gewerbetreibende im suburbium (Vorstadt) welches dann das Zentrum der späteren Stadtentwicklung wurde. (Gebiet um den heutigen Markt).

Im Jahre 1579 wurde gegen eine Zahlung von 10 Groschen im Jahr von den sächsischen Herzögen das Stadtrecht verliehen, allerdings mit der ungewöhnlichen Maßgabe, sich nicht befestigen zu dürfen; es müsse ein "offenes Landstädtchen" bleiben. Im Jahre 1574 gab es in Landsberg 67 Feuerstellen, was etwa einer Einwohnerzahl von 400-500 entspricht. Dies lässt die Ansicht zu, dass es sich bei der Stadtrechtverleihung um eine Wiedergutmachung an die Landsberger gehandelt haben könnte. So erfolgte auch bald der Rathausbau, welcher später erweitert und 1901 zum heutigen Aussehen gestaltet wurde. Landsberg blieb auch nicht von Stadtbränden und Kriegen verschont. Bei den mindestens 12 Stadtbränden waren mehrfach auch das Rathaus, die Kirche und das Pfarrhaus betroffen. In Kriegen erfolgten Plünderungen und Einquartierungen von Soldaten.

Das Schulwesen lässt sich recht gut zurückverfolgen. Die Gebäude früherer Schulen stehen heute noch südlich der Kirche (1812), daneben die "neue" Schule in gelbem Backstein (1896). Nach dem 2. Weltkrieg nutzte man das ehemalige HJ-Heim (1939) auf dem Mühlberg als Schule und erweiterte dieses erheblich (heute haben darin Grundschule, Schulhort und Museum ihr zu Hause). Seit 1983 lernte die Oberstufe in einer neu erstellten Schule (mit Turnhalle) am Sportplatz östlich des Kapellenberges. In seiner nördlichen Nachbarschaft entstanden zehn Jahre später die Regenbogen-Schule (für geistig und körperlich behinderte Kinder), ein Gymnasium und eine Zweigstelle der Kreisbibliothek des Saalkreises sowie eine sehr moderne Sporthalle (1995). In dieser Gesamtheit ist Landsberg heute ein Schulstandort der besonderen Art.

In Landsberg bestand früher eine reichgegliederte Struktur von Handwerk und Kleingewerbe. Die alten Handelswege sicherten eine ständige Kundschaft und gute Handelsverbindungen. Damals schlossen sich gleiche Berufsgruppen zu sogenannten "Zünften" zusammen, in der Mitte des 18. Jahrhunderts zu "Innungen". Diese waren auf freiwilliger Basis und brachten ein großes Selbstbestimmungsrecht mit sich. Durch zahlreiche Sachzeugen ab dem 17. Jahrhundert können wir im Museum diesen Teil unserer Geschichte recht gut dokumentieren. So gehörte zur festen Ausstattung einer Innung u. a. die Lade (Truhe), darin Satzung, Pokal, Siegel, wichtige Dokumente und natürlich die Kasse. Auch hatte jede Innung ihre Fahne. In Landsberg gab es z.B. die Schmiede-Wagner-Böttger-Innung (1618-1854), als stärkste die Schuhmacher-Innung (1626-1934), die Schneider-Innung (1688-1932) und die Seiler-Innung (1802-1909). Durch die fortschreitende Industrialisierung gab es große Schwierigkeiten für das Handwerk, was zur späteren Auflösung der Innungen führte.

Durch systematisches Betreiben in der sozialistischen Zeit sollte dem privaten Handwerk der Boden entzogen werden. Einige überstanden dies aber. Heute bildet das private Klein- und mittelständische Gewerbe einen wesentlichen Anteil der wirtschaftlichen Entwicklung.

Der Eisenbahnbau Halle-Bitterfeld (1859 vollendet) war die Grundlage einer gewissen industriellen Entwicklung in Landsberg. Mit Bahnanschluss entstanden die Zuckerfabrik (1863), die Malzfabrik (1871) und die Maschinenfabrik (1873) im Norden der Stadt.

Im Zuge der Nachkriegsentwicklung wandelten sich nach 1945 die Dinge: die Maschinenfabrik verschwand bereits 1932 durch Konkurs; aus der ehemaligen Zuckerfabrik entstanden nach der Demontage (Reparation) und einer Übergangszeit zwei metallverarbeitende Betriebe (MAB und Hastag). Die Malzfabrik (nun mit eigener Brauerei) ist noch heute ein erfolgreiches Unternehmen. Neben diesen drei Großbetrieben existierten aber auch noch einige kleinere.

Mit der politischen Wende begannen 1990 auch die Planungen zu einem großen Gewerbe- und Industriegebiet an der B100. Es brachte die Ansiedlung vieler unterschiedlicher Gewerbe mit sich.

Landsberg wurde im Juni 1990 Modellgemeinde für Sachsen-Anhalt im Rahmen der "Städtebaulichen Erneuerung in Kleinstädten und Dörfern in der DDR", so standen erhebliche Mittel zur Verfügung, die die Sanierung des mittelalterlichen Stadtkerns und der Infrastruktur ermöglichten.
(G. George)

Sehenswertes

Landsberg

* romanische Doppelkapelle ("ein Bauwerk an der Straße der Romanik" in Sachsen-Anhalt)
* Felsenbad
* Museum "Bernhard Brühl"
* Marktplatz mit Rathaus (1598) und kursächsischer Postmeilensäule (Kopie von 1989)
* Stadtkirche
* Landschaftsschutzgebiet "Porphyrkuppenlandschaft bei Landsberg" (Gützer B., Pfarrberg und Spitzberg)

Reinsdorf

* Schloss, Park

Gollma

* Kirche, Schloss und Park

Gütz

* Kirche, Teufelsstein

Kontakte und Informationen:

Für die Doppelkapelle "St. Crucis", das Museum "Bernhard Brühl" und das Archiv:

Museum "Bernhard Brühl"
Hillerstr. 8
06188 Landsberg
Telefon: (034802) 20 690
Telefax: (034802) 48 741
e-Mail: doppelkapelle-landsberg.@web.de

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Quelle: http://www.findcity.de/?m=verwaltungsgem…188d&p=00000002

Mittelstands Anzeiger


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