Königin soll wieder original erklingen
Ladegastorgel in Schafstädter Kirche steht Restaurierung bevor
VON Gerhard Grulke, 17.06.05, 17:07h
Schafstädt/MZ. Da leuchten die Augen von Kirchenmusiker Jörg Ritter: "Oben, unterm Dach, im Schutt und Gerümpel der Jahrzehnte, da haben wir noch eine original Doppelflöte gefunden. Auch eine Oboe und andere Orgelpfeifen, Federn und Ventile." Und von einer speziellen Zange, die innerhalb der Orgel entdeckt wurde, sagen die Orgelbauer sogar, dass die aus der Zeit Ladegasts stammen würde.
Die Orgel in der Schafstädter Sankt-Johannis-Kirche soll restauriert werden. Das ist bitter nötig, schließlich hat das gute Stück über die Zeitläufte hinweg einiges durchmachen müssen. Friedrich Ladegast, der Orgelbauer aus Weißenfels und der wohl bedeutendste des 19. Jahrhunderts, hatte ab dem Jahre 1871 mit den Vorbereitungen des Baus einer Orgel für Schafstädt begonnen. Vier Jahre später zahlte ihm die damals reiche Stadt 3268 Reichstaler dafür.
Der Orgelbau in Schafstädt muss Ladegast, dessen Todestag sich am 30. dieses Monats zum 100. Male jährt, wohl besonders gut gelungen sein. Von der damaligen Fachaufsicht wurde immerhin bestätigt, dass es sich bei der mit Motorkraft betriebenen Orgel mit ihren 33 Registern auf drei Manualen und Pedal in sämtlichen Punkten um ein "herrliches Kunstwerk" handelt.
"Das ist die Orgel, obwohl in die Jahre gekommen, auch heute noch", erzählt Jörg Ritter, der sie zu den Gottesdiensten spielt. Zu den herben Spuren der Geschichte zählt zum Beispiel das Einschmelzen der Prospektpfeifen während des Ersten Weltkrieges.
Ebenso der Einbau neuer Pfeifen 1934. Die waren allerdings nur aus präpariertem Zink, mit Alu-Bronze überzogen. In den 50er Jahren hat die Merseburger Orgelbaufirma Kühn das Instrument umdisponiert, der typische romantische Klang ging verloren, wie Ritter bedauerte. Bis 1995 erfolgten kleinere Reparaturen, so auch am Lederbalg. "Ansonsten wurde die Orgel durchgespielt. Weshalb es auch nicht verwunderlich ist, dass das wertvolle Instrument in einem so schlechten Zustand und nur noch teilweise spielbar ist. Damit es nicht noch schlimmer wird, ist die Restaurierung dringend erforderlich", so der Kirchenmusiker.
Auf etwa 220 000 Euro würden sich die Gesamtkosten belaufen. Vier Angebote gab es nach der Ausschreibung, so auch vom renommierten Orgelbauer Christian Scheffler aus Frankfurt. Die Kirchengemeinde, so Ritter, habe 21 000 Euro angespart, von der Stadt gab es 5000 Euro. Ein Antrag für die Unterstützung wurde an den Landkreis gestellt, Zusagen vom Konsistorium der Kirchenprovinz Sachsen und eine Unterstützung vom Land und einer Stiftung sind auch avisiert. "Auch der Kirchenkreis will uns helfen, vielleicht kommen noch einige Sponsoren mit ins Boot, so dass wir den für Herbst vorgesehenen Restaurierungsbeginn dann auch erfolgreich starten können", hofft Ritter.
Im Sommer nächsten Jahres könnte er dann die "neue", betagte Königin der Instrumente im Originalton erklingen lassen.
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Bild im Anhang
Alle insgesamt tausend Orgelpfeifen der Ladegast-Orgel in der Schafstädter Johannis-Kirche können nach der Restaurierung wieder erklingen. (Foto: MZ)