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Montag, 25. Oktober 2004, 23:40

Die Geschichte des Bunabades

Die Geschichte des Bunabades

TraglufthalleWirtschaftsgebäude

Die Geschichte eines Schwimmbades und dessen trauriges Ende

Das Schwimmbad über welches ich hier berichten will, wurde in den 40er Jahren
in der Chemiestadt Buna/Schkopau erbaut. In dieser Zeit zählten die Bunawerke
mit zu einer der größten Chemiebetriebe in Deutschland. Man wollte den Arbeitern
die Möglichkeit geben, sich in der Freizeit sportlich zu betätigen.

Eingang SaunaEingangsbereichDarstellung Traglufthalle VerankerungskanalEigenbauanzeigetafel

Zu DDR-Zeiten hat man die Chemieproduktion sehr hoch bewertet, da sie für
den Staat viele Devisen einbrachte. Solche Betriebe wurden besonders behandelt.
Man hat nicht nur in die Industrie investiert, sondern auch in Freizeitanlagen
,
wie z.B. Schwimmbäder, Klubhäuser und Sportanlagen.

In den 70er Jahren kam man auf die Idee, das Bad auch im Winter zu betreiben.
Das Bad gehörte zu den Bunawerken. Da das Werk genug Abwärme produzierte
war es möglich, dieses Unterfangen zu verwirklichen. Mit Hilfe dieser Abwärme
und einer Traglufthallenkonstruktion, war der Winterbetrieb möglich.
Problematisch war der Auf- und Abbau der Traglufthalle. Weitere Schwierigkeiten
ergaben sich durch, das große Becken, die 3,50 m tiefe Sprunggrube und dem
Sprungturm. Da es zu DDR-Zeiten kein Problem war Menschen für solch ein
Unterfangen zu verpflichten, konnte auch diese Aufgabe bewältigt werden.
Am Auf- und Abbau beteiligten sich, die Mitarbeiter des Bades, Sportvereine,
GST, Kampfgruppen, NVA und wenn Bedarf bestand wurden auch Mitarbeiter
aus dem Werk angefordert. Mit viel Idealismus und freiem Essen wurde dann rangeklotzt.

Die Traglufthalle bestand aus mehreren Planen, die über das Becken gezogen wurden.
Danach hat man sie miteinander verknüpft.
Als nächstes wurden die Planen am Boden verankert. Dann wurde mit Hilfe eines
Gebläses, der Bereich unter der Plane mit Luft gefüllt. Das Gebläse war ständig in
Betrieb um die Traglufthalle aufrecht zu halten. Nach dem eigentlichem Aufbau der
Halle hat man, die Heizungs- und Elektroanlagen installiert.
Während der Wintersaison musste ständig ein Mitarbeiter nachts anwesend sein,
um bei technischen Ausfällen einschreiten zu können.
Im Mai zu Beginn der Sommersaison wurde die Traglufthalle wieder abgebaut.
Nach 4 bis 5 Jahren wurde durch den Auf- und Abbau die Plane so beansprucht,
dass sie ausgetauscht werden musste.

SprunganlageWarmluftgebläse (Heizung) wurden aber auch als Haartrockner genutzt.Beckenansicht von Sprunganlagenseite

Als die Wende kam und in vielen Bereichen Umstrukturierungen erfolgten,
wurde auch das Bad davon betroffen. Man entschied sich dafür, die Traglufthalle
nicht mehr in Betrieb zu nehmen und das Bad nur noch im Sommer zu öffnen.
Als später dann noch Schäden im Becken- und Filterbereich auftraten, wurde
das Bad bis auf weiteres geschlossen. Nur die Sauna wurde noch weiter genutzt.
Später fiel auch sie dem Rotstift zum Opfer.
Es blieb leider bei der Schließung, da man sich, laut Gerüchten, mit der Gemeinde
nicht einigen konnte. So fiel das Bad immer mehr dem Vandalismus und dem
allgemeinen Verfall zum Opfer. Es wurde damit sein trauriges Ende besiegelt.

Heute ist nichts mehr vom Bunabad übrig geblieben. Es existieren nur noch einige
Fotos, ein Videofilm über den Auf- und Abbau und natürlich die Erinnerungen.
Diesem Bad verdanke ich meine sportlichen Erfolge als Flossenschwimmer und
Taucher, sowie meine berufliche Entwicklung als Schwimm-Meister.

 Technische Daten:

Schwimmbecken mit 3,5 m Sprunggrube 50 x 15 m
3 m Sprungturm mit Brett und 1 m - Brett
angrenzendes Nichtschwimmerbecken 50 x 15 m
Wasseraufbereitung; offene Filteranlage

Ansicht 1 ehem. EingangsbereichAnsicht ehem. WirtschaftsgebäuteAnsicht 2 ehem. Schwimmbecken siehe erstes Bild Traglufthalle

So sieht das Gelände heute aus, Hinweise das hier mal ein Schwimmbad
war, gibt es nicht mehr.  

Autor: Ingo Ortel

webmaster@schwimmeister.de

gefunden auf http://www.schwimmeister.de

 

Mittelstands Anzeiger


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