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Donnerstag, 12. August 2004, 22:29

Dr.Wagner und die Ambulanz

Arzt schließt Wegzug nicht aus - Stadt: Raten nicht akzeptierbar




Bad Lauchstädt/MZ.  "Ich hatte immer noch die Hoffnung, dass die Stadt auf eine Ratenzahlung meinerseits für den Kaufpreis des Gebäudes eingehen würde. Das hat sich zerschlagen. Ab dem 1. August, so war entschieden worden, sollte ich die Praxisräume leer übergeben. Was mir so schnell nicht möglich ist". Dr. Klaus Wagner, Facharzt für Allgemeinmedizin, praktiziert seit September 2003 in den Räumen der ehemaligen Poliklinik in der Müntzer-Straße in Bad Lauchstädt.

Bereits im Februar hatte er sich in einer Stadtratssitzung an die Öffentlichkeit gewandt, da er die von der Stadt geforderte Kaufsumme für das Haus, 80 000 Euro, nicht zahlen konnte. Geschweige denn eine mutmaßlich ebenso hohe Summe für eine notwendige Sanierung hätte aufbringen können. Schon damals bat er um Ratenzahlung, worauf die Stadt nicht einging (die MZ berichtete). "Nun sollte nach meinem Wissen zur konstituierenden Sitzung am 1. Juli, also nach der Wahl, über meinen Antrag entschieden werden. Ich war dort und musste zur Kenntnis nehmen, dass schon am Vortage, also noch in der alten Besetzung darüber entschieden worden war. Wo es letztlich hieß: Ich soll raus", schilderte Wagner den Vorgang.

"Ich finde das alles sehr seltsam. Mir bleiben auch schon Patienten weg. Ich werde wahrscheinlich der Goethestadt den Rücken kehren müssen. In Sachsen herrscht Ärztenotstand - dort werde ich sicher gebraucht", so Wagner, der seine Praxis wegen Jahresurlaubs bis zum Wochenende geschlossen hat.

"Herr Wagner hat uns seit dem Februar nichts vorgelegt. Eine Ratenzahlung kann für uns nicht in Frage kommen, ist also nicht zu akzeptieren. Entweder er bemüht sich um einen Kredit und nimmt das Kaufangebot an - oder er lässt es bleiben. Mir tut es leid. Trotz großer Bemühungen der Stadtverwaltung ist kein Vertrag mit Herrn Wagner zustande gekommen", so Bürgermeisterin Maria Loos (CDU) auf Anfrage der MZ. Zu Wagners Darstellungen über die Ratssitzungen versicherte sie, dass besagter Punkt nie auf der Tagesordnung der konstituierenden Sitzung gestanden habe. "Der Beschluss wurde am 30. Juli im nicht öffentlichen Teil gefasst. Auf einer Ratssitzung, die erneut anberaumt werden musste, weil auf der 1. Juni-Sitzung ein Fehler bei der Ladungsfrist erkannt worden war", versicherte die Bürgermeisterin. Die Stadt wolle und müsse sich von dem Haus trennen, meinte sie weiter. Es sei nicht zu verantworten, mit Steuergeld - das zudem nicht zur Verfügung steht - zu sanieren.

"Schade eigentlich, wenn der Arzt hier zu machen sollte. Auf mich als 80-Jährige würden - wie auch auf viele andere älteren Menschen hier in dem Wohngebiet - weitere Wege zu kommen", meint Ilse Pohlmann, die gerade von einem Physiotherapietermin kam. Ursula Haase und Britta Bihn, die auch in diesem Viertel wohnen, stimmen hier zu: "Bei den zwei anderen Ärzten in der Stadt ist es meist knackevoll."

 

Mittelstands Anzeiger


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Dienstag, 17. August 2004, 13:41

Dr. Wagner hat seine Angestellten zum 30.Sep gekündigt und verlässt uns.
So wie ich in Erfahrung bringen konnte sind nicht nur die baulichen Umstände daran Schuld.

Schade wieder ein Arzt weniger, Frau Dr. Schöber, Frau Dipl.med. Wölbling und Dipl.med. Geske sind sowieso schon überlasstet.
Das wird ein Chaos.

Ein neuer Arzt ist nicht im Gespräch.

Mittelstands Anzeiger


3

Freitag, 3. September 2004, 15:58

Hier mal einige Bilder von der Ambulanz. Ich war heute bei Dr. Wagner und hatte ein Interview mit ihm. Es folgt irgendwann heute abend wenn ich es schaffe.





AF

Mittelstands Anzeiger


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Samstag, 4. September 2004, 21:46

Gespräch mit Herrn Dr. Wagner vom Freitag den 03.09.04



Die Gerüchteküche von Bad Lauchstädt kocht, zwecks Schließung seiner Praxis, es gab da Sachen die ich so nicht glauben konnte. Also entschloß ich mich für den direkten Weg.

Hier ein kleiner Dialog der nicht wörtlich aber sinngemäß so stattgefunden hat.

AF: Herr Dr. Wagner ich habe gehört und gelesen das sie Ihre Praxis schließen, was sind die Gründe ?
Dr. Wagner: Ich wollte das Gebäude von der Stadt mieten und nicht kaufen. Man bot mir einen Kaufpreis von 80.000 Euro an. Der Wert laut Gutachter ist 160.000 Euro. Es ist aber in den letzten Jahren ein Instanthaltungsrückstau entstanden der mit ebenfalls 80.000 Euro benannt wurde, die ich nach Kauf investieren müsste. Das Gebäude ist nass und hat andere Mängel und muss komplett renoviert werden, so das ich eigentlich von einer Renovierungssumme von 200.000 Euro ausgehen muss, habe aber die Vermutung das es dabei nicht geblieben wäre.

AF: Wie war das bei Frau Dr. Pöhlmann ? Hätte man diesen Vertrag oder Vereinbarung nicht weiter so akzeptieren können ?
Dr.Wagner: Frau Loss hat mir angeboten das Gebäude auf 30 Jahre zu pachten. 30 Jahre hatte ich eigentlich nicht vor hier zu praktizieren. Verträge würden da sogar auf meine Kinder übergehen.

AF: Wieso 30 Jahre Pacht ?
Dr. Wagner: Laut Frau Loos ist das eine angemessene Zeit, wo es sich lohnen würde für die Stadt etwas in das Gebäude zu investieren.

AF: Frau Pöhlmann hatte doch auch gepachtet, war das auch zeitlich vorgeschrieben ?
Dr.Wagner: Nein, die Konditionen die Frau Dr. Pöhlmann hatte waren..na ja ich sag mal "Sie kannte vielleicht die Bürgermeisterin gut"
Frau Pöhlmann hatt 400 Euro pro Monat Pacht gezahlt, dieses Geld ist aber durch die Untervermietung der Physiotherapie (400 Euro) und dem Sanitätshaus Graf (??? Euro) und der Notfallstation (??? Euro) wieder hereingekommen. Frau Pöhlmann hat sogar noch plus gemacht und das war das Geld was das Gebäude dringend zur Renovierung gebraucht hätte. Ich denke das das öffentliche Gelder waren.

AF: Wie war das eigentlich mit der Ratenzahlung an die Stadt wie es in der Zeitung gestanden hat ?
Dr.Wagner: Frau Loos hat mir gesagt das eine Ratenzahlung nicht in Frage kommt. Es sollte eigentlich durch den neuen Stadtrat diskutiert und beschlossen werden.

AF: Warum ist es nicht dazu gekommen ?
Dr.Wagner: Weil Frau Loos den alten Stadtrat 1 Tag vorher einberufen hat und da wurde dann die Möglichkeit abgelehnt und auch so beschlossen.

AF: Konnte der neue Stadtrat nichts machen ?
Dr.Wagner: Es war ja alles schon beschlossen. Ich habe kleine Handzettel mitgebracht aber das hat nichts mehr genutzt.

AF: Es gab das Gerücht das die eine ortsansässige Firma das Gebäude vielleicht kauft und renoviert und dann vermietet, was ist daran war ?
Dr.Wagner: Ja es war mal jemand da der sich alles angesehen hat und über die Möglichkeit mit mir gesprochen hat aber ich konnte keine Zu oder Absage machen da nie ein Mietpreis genannt wurde.

AF: Wann schließt ihre Praxis ?
Dr.Wagner: Die Praxis schließt am 15.Sep, auch meine Mitarbeiter musste ich zu diesem Termin kündigen. Ich bitte alle meine Patienten sich ihre Unterlagen bei uns abzuholen.

AF: Kommt ein neuer Arzt ?
Dr.Wagner: Das ist mir nicht bekannt.

AF: Werden sie wo anders eine Praxis eröffnen ?
Dr.Wagner: Eröffnen oder übernehmen ja aber nicht in Bad Lauchstädt. Die Ambulanz und die Bunasiedlung sind eine Einheit, selbst wenn ich nur 1km weiter meine neue Praxis eröffnen würde, könnten viele Patienten aus der Bunasiedlung diese nicht mehr erreichen. Somit würde ich meinen Patientenstamm verlieren.

AF: Wie reagieren Ihre Patienten auf die Schließung ?
Dr.Wagner: Die Patienten sind wütend und fassungslos. Sie müssen sich alle um einen neuen Hausarzt bemühen. Für viele ist aber eine weite Gehstrecke unmöglich.

AF: Ist Bad Lauchstädt nun unterversorgt mit Ärzten ?
Dr.Wagner: Nein ich denke nicht. Bad Lauchstädt ist nicht das klassische Gebiet wo eine Unterversorgung da ist, da gibt es viel andere Regionen die wirklich unterversorgt sind.

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Und noch über einige andere Dinge haben wir uns unterhalten die den Rahmen jetzt sprengen würden. Wir haben sogar festgestellt das das Gebäude noch Bleileitungen für die Trinkwasserversorgung hat und Vermutung wurde geäußert das, vielleicht versteckte Mängel der Grund ist das die Stadt das Gebäude verkaufen will oder sie haben schon einen anderen Interessenten.

Wie man es nimmt. Bad Lauchstädt hat einen Arzt weniger, Patienten haben mehr Stress, wieder 3 Arbeitslose. Die anderen Mieter werden auch aufgeben müssen, da ja die Physiotherapie sowie Sanitätshaus Graf Dr. Wagner als Mittelpunkt hatten. Ich denke es ist nur noch eine Frage der Zeit das der eine und der andere zu macht. Spätestens wenn die erste Betriebskostenabrechnung kommt wird es mit den anderen Mietern Probleme geben.

Mittelstands Anzeiger


5

Sonntag, 5. September 2004, 20:50

Ich weiß das nicht wann die letzte Stadtratssitzung mit alten Stadtrat war. Ich war zu dieser Zeit im Urlaub und konnte deshalb auch nicht an der ersten Sitzung mit neuem Stadtrates teilnehmen.

Mittelstands Anzeiger


6

Dienstag, 7. September 2004, 14:24

Noch mal zur Sitzung des alten Stadtrates.
Ja er fand am 30. statt aber es war eine Wiederholung da (lt.Kommunalaufsicht) die Ladungsfrist (8 Tage) bei der letzten Sitzung nicht eingehalten wurde und somit diese für ungültig erklärt wurde.

Scheinbar gibt es hier auch Verwechslung zwischen Euro und DMark. 80.000 waren für das ganze Objekt veranschlagt und 40.000 sollten gezahlt werden.
Ratenzahlung gab es auch deshalb nicht weil unregelmässige Zahlungen im Vorfeld mit der Grund waren. Die Vermutung das eine Ratenzahlung ähnliches hervorbringt war begründet.

Ratenzahlung ging auch deshalb nicht weil das Gebäude laut Grundbuch Herrn Wagner dann als Eigentümer stehen hätte auch wenn die Raten ausfallen. Das wäre ein Risiko für die Stadt.

Mittelstands Anzeiger


7

Montag, 21. März 2005, 16:37

Ich möchte das Thema noch abschliessen.
Dr. Wagner ist nun endgültig weg und das Gebäude befindet sich wieder in der verwaltung der Stadt.
Es finden derzeit Aufräumarbeiten statt und es wird dann zum Verkauf ausgeschrieben.

Mittelstands Anzeiger


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