Rassegeflügelzuchtverein Bad Lauchstädt besteht 95 Jahre
Eigentlich ist Heinz Ulrich, seit 53 Jahren leidenschaftlicher Züchter von Hühnern und Tauben, selbst aktiver Preisrichter. Doch wenn der eigene Verein sein Federvieh präsentiert, kann er natürlich nicht mit bewerten. Zum Ausruhen kam der Vorsitzende des Rassegeflügelzuchtvereins Bad Lauchstädt und Umgebung am Wochenende trotzdem kaum.
Immerhin fand anlässlich des 95. Bestehens eine große Jubiläumsschau statt, auf der 83 Aussteller 545 Tiere zeigten. Tauben, Hühner, Gänse, Enten und Puten, und dementsprechend war auch der Lärmpegel in der Turnhalle am Roten Platz in Bad Lauchstädt: Es gurrte, gackerte, krähte und schnatterte in allen Tonlagen. Eher ruhig und gelassen verhielten sich die Ausstellungsneulinge - braunweiß gezeichnete türkische Tauben eines Merseburger Züchters, die erstmals zu sehen waren.
Ulrich hatte aus seinem großen Bestand natürlich auch Tiere mitgebracht; Hühner und Tauben. Sowohl für die schwarzen Zwergwyandotten als auch die kräftigen Strassertauben erteilten die Preisrichter die begehrte "Vorzüglich"-Bewertung. Acht Mal wurde sie in Lauchstädt insgesamt vergeben. Und wenn der Vereinschef noch weitere Vögel präsentiert hätte, wäre er sicher noch mal dabei gewesen. Über 80 Hühner und hunderte Tauben, darunter auch Brieftauben, hält er zu Hause. "Ich rauche und trinke nicht, mein Hobby sind die Tiere", bekräftigt er. Seine Frau unterstütze ihn, sonst wäre soviel Engagement gar nicht möglich, meint der Großvater mehrerer Enkel.
Schon zur Eröffnung am Sonnabend Vormittag, zeigte sich Ulrich überaus zufrieden, sei der Besucherandrang groß gewesen. Das blieb die ganze Zeit über so. Familien mit Kindern nutzen die Gelegenheit zum Ausstellungsbesuch ebenso wie Züchterfreunde aus anderen Orten und zahlreiche Lauchstädter Bürger. Leider sieht es mit der Ausstellung 2005 schlecht aus: Da kann der Verein die Schulturnhalle nicht nutzen.
Noch ist Platz im alten Kassenbuch
Vorsichtig, ja fast behutsam, hebt Ulrich Scherneck den dicken Folianten herüber. "Das ist das Kassenbuch unseres Vereins. Die ersten Eintragungen über Einnahmen und Ausgaben sind aus dem Jahre 1909, dem Gründungsjahr. Und noch immer ist reichlich Platz, bis zum 100. Jubiläum dürfte er garantiert noch reichen", lächelt der Vorsitzende des Rassegeflügelzuchtvereins Bad Lauchstädt und Umgebung. Ein Jubiläum steht ins Haus, 95 Jahre Vereinsgeschichte sollen zünftig gefeiert werden. Mit einer Ausstellung, zu deren Vorbereitung die Vereinsmitglieder derzeit in der Turnhalle am Roten Platz alle Hände voll zu tun haben.
550 Tiere werden zu sehen und zu bewundern sein. Die sieben Preisrichter dürften also gleich nach dem Start ins neue Jahres reichlich mit der Bewertung zu tun haben, bevor am 3. Januar um 10 Uhr die Jubiläumsausstellung feierlich eröffnet wird. Ulrich Scherneck, der sich aus besagtem Kassenbuch viele Notizen gemacht hat, weiß genau Bescheid über die Geschichte. "Der Mühlenbesitzer Walther hat am 14. Februar 1909 mit 21 anderen Hühnerhaltern den Verein gegründet, gleich im November darauf gab es die erste Ausstellung", weiß er zu erzählen. Ebenso von der Vereins-"ruhe" zwischen 1924 und 1930. Von dieser Zeit an gab es jährlich eine Ausstellung in der Gaststätte "Stadt Leipzig". Nach deren Abriss hatte 1949 sogar im Kursaal eine Kreisschau stattgefunden. "Da war noch nichts mit historisch", schmunzelt Scherneck und erzählt, immer in den Buchnotizen blätternd, von der Zeit der endfünfziger Jahre. 48 Züchter gehörten dem Verein damals an.
Vorwiegend Großrassen wurden in der Goethestadt und ihrer Umgebung gezüchtet, Puten, Gänse, Enten, Hühner - es ging um Fleisch und Eier für Kochtopf und Pfanne. Mit der jährlichen Ausstellung wurde damals auch auf die Dörfer wie zum Beispiel Milzau oder Klobikau gezogen. 1967 musste sogar eine Jugendgruppe gebildet werden, solch einen Zulauf hat es bisher nicht wieder gegeben. Nach der Wende kamen neue Rassen hinzu, nicht mehr nur der Kochtopf, die Schönheit der Tiere stand im Mittelpunkt. "Heute fehlen uns vor allem junge Leute. Und von den derzeit 22 Züchtern kommen lediglich neun aus Bad Lauchstädt, die anderen aus Orten in der Umgebung", so Scherneck mit etwas Wehmut in der Stimme. "Dabei braucht es bei Kleinrassen nicht einmal viel Platz", meint er, der seit 45 Jahren im kleinen Garten hinterm Haus leidenschaftlich Pfauentauben züchtet und die zahlreichen Pokale, Medaillen und Preis-Bänder nur noch mit Mühe zählen kann.
Quelle: MZ
AF