Wer jetzt am ehemaligen Landambulatorium vorbei geht, sieht auf dem Schild neben dem Eingang den Namen eines neuen Arztes. Verwundert reibt man sich die Augen. Ja, es stimmt! Frau Dr. Christine Pöhlmann hat ihre Praxis einem jüngeren Berufskollegen übergeben. Für die Redaktion der Lauchstädter Nachrichten ist es selbstverständlich, die Ärztin zu würdigen, die seit Jahrzehnten zum Leben unserer Stadt gehörte, die, so kann man es wohl sagen, eine Institution war und ist und bleiben wird. Wenn jemand seine berufliche Tätigkeit wegen des Erreichens der Altersgrenze beendet, spricht man gerne vom "wohlverdienten Ruhestand". Diese Formulierung hat auf Frau Dr. Pöhlmann bezogen ihre volle Berechtigung. Zusammen mit dem Verfasser dieser Würdigung blickte sie zurück auf die37 Jahre, die sie in Bad Lauchstädt als Fachärztin für Allgemeinmedizin im Einsatz war. Offiziell erhielt sie im April 1970 am Landambulatorium Bad Lauchstädt eine Planstelle, arbeitete hier aber vertretungsweise schon seit 1966. Nach dem Tod von Dr. Willi Schöpe übernahm Frau Dr. Pöhlmann die Leitung der Einrichtung. Landärztin, Hausärztin, das war von Anfang an ihr berufliches Ziel. Sie wusste, dass die Chancen auf Heilung des Patienten am größten sind, wenn man ihn über Jahre hinweg ärztlich betreut, seine Mentalität kennt, aber auch sein familiäres Umfeld. Daneben steht die einfühlsame Begleitung der Angehörigen eines Menschen, dessen Leben zu Ende geht. Auf diesem weiten Feld lagen die Stärken von Frau Dr. Pöhlmann. Sie machte keinen Unterschied zwischen Jungen und Alten und richtete Außenstellen in Milzau und Klobikau ein, um den Menschen in diesen Orten den für Viele beschwerlichen Weg nach Bad Lauchstädt zu ersparen. Die politische Wende brachte eine Änderung. Frau Dr. Pöhlmann und Frau Sanitätsrätin Grunert arbeiteten nun 10 Jahre lang frei niedergelassen in einer Gemeinschaftspraxis. Zu den Sprechstunden und Hausbesuchen kam von Anfang an Bereitschaftsdienst an den Wochenenden und nachts. Frau Dr. Pöhlmann leistete in 37 Jahren etwa 2 5OO solcher Dienste. Wieviel Stress damit verbunden war, kann ein Außenstehender wohl nicht ermessen. Man braucht sicher einige Monate, um einen Rhythmus zu finden für den neuen Lebensabschnitt, für die Zeit ohne berufliche Pflichten. Da auch Herr Dr. Pöhlmann in diesen Tagen aus dem aktiven Dienst scheidet, ist nun Zeit für den Garten, Zeit zum Lesen und für Theaterbesuche. Und vergessen wir nicht den zweijährigen Enkel. Er wird die Großeltern sicher gerne noch öfter sehen, als das bisher möglich war. Wir wünschen Frau Dr. Pöhlmann noch viele Jahre in Glück und Zufriedenheit, gute Gesundheit und Freude in der Familie. Ein herzliches "Danke" sagen Ihnen, verehrte Frau Dr. Pöhlmann, sicher auch im Namen aller Lauchstädter, die Mitglieder der Redaktion
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