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Samstag, 4. Juli 2009, 08:11

Christine Staude aus Klobikau

«Das war bei uns immer wie in einer großen Familie»
Kindergärtnerin Christine Staude nach 44 Dienstjahren aus dem Berufsleben verabschiedet
VON ELKE JÄGER, 03.07.09, 18:08h, aktualisiert 03.07.09, 19:18h


Die Kinder mögen und lieben sie und das schon seit Jahren: Die ersten, die Christine Staude in der Kita betreute, sind heute schon Großeltern. (FOTO: P. WÖLK)

MILZAU/MZ. Der Montag nach dem Abschied war komisch. Man schläft nicht plötzlich bis in den Vormittag hinein, wenn man 44 Jahre lang morgens aufgestanden und dann zur Arbeit gegangen ist. "Ich muss mich erst daran gewöhnen, dass ich jetzt viel Zeit habe", lächelt Christine Staude etwas verhalten. Immerhin ist es erst eine Woche her, dass die gelernte Erzieherin aus dem Berufsleben verabschiedet wurde.

Erst Oma, nun Enkel betreut

44 Jahre lang hat sie in Milzau, Klobikau und Wünsch Kinder umsorgt. Von denen aus ihrer ersten Gruppe haben manche schon selbst Enkel und es gibt sogar eine Familie, wo sie die heutige Oma, deren Sohn und dann dessen Kinder unter ihre Fittiche nahm.

Viele Blumen, kleine Geschenke und Fotos hat sie zum Abschied bekommen. Immer wieder Dank, gute Worte und Wünsche für die Zukunft gab es und auf beiden Seiten flossen Tränen. Gut die Hälfte der Mütter und Väter kannten sie ja noch aus der Kita. Von den Kindern hat sich Frau Staude extra verabschiedet, und es ging ihr ans Herz, als der kleine Rudi ganz fassungslos sagte: "Du kannst doch jetzt nicht einfach zu Hause bleiben!"

"Kindergärtnerin war mein Wunschberuf seit der 5. Klasse", lacht die freundlich-resolute Frau, die schon lange in Klobikau wohnt. Sie ist die zweitälteste von vier Schwestern und bemutterte die anderen, ebenso die Nachbarskinder. Aufgewachsen in Rohrbach in Thüringen, besuchte sie die Fachschule in Gotha und bekam dann eine Stelle im Kindergarten Klobikau.

An ihren ersten Tag im August 1964 erinnert sie sich noch ganz genau. "Da sagte der Bürgermeister 'Sie müssen mit dem nächsten Bus zurückfahren, wir haben kein Zimmer'", schmunzelt die 62-Jährige. Er hatte wohl nicht mit ihrer Hartnäckigkeit gerechnet. Eine Woche lang schlief sie bei einer Kollegin auf dem Sofa, dann fand sich eine Lösung. Ein Zimmer in einem Privathaus war die Rettung. Auch wenn ein Haken dabei war.

Das "Fräulein Kindergärtnerin" musste dem Vermieter, der Familie Staude, ein Papier unterzeichnen, dass sie umgehend ausziehen würde, sollte der Sohn des Hauses heiraten. . . Das tat er zwar, doch die Braut hieß Christine. Und die wohnt heute noch im Haus.

Als Ehemann Rudi unlängst plötzlich verstarb, war das ein schwerer Schlag. Sie hatten sich die gemeinsame Zeit im Alter so schön ausgemalt. Das verwindet man nicht so bald. Nun, wo sie viel freie Zeit hat, will sich Frau Staude mehr um Haus und den Garten, ihr grünes und blühendes Refugium, kümmern. Tochter und Enkel ( 8 ) leben in Halle, das ist nicht zu weit für gegenseitige Besuche. Reisen möchte sie, Englisch lernen und natürlich auch ab und an in der Kita "Dino" vorbeischauen. Ihre Nachfolgerin, die 21-jährige Cathleen Kottler, hat sie früher selbst in der Kita im Ortsteil Krakau betreut. Für alle sei es schön, dass "jemand Junges" nachrücke.

"Frau Staudi" haben die Steppkes sie immer genannt, und das konnte schon der Kleinste sagen, lächelt sie in der Erinnerung. Christine Staude sagt von sich, dass sie eigentlich streng gewesen sei. "Mit Liebe und Konsequenz" habe sie die Kinder erzogen, diese Mischung traf offensichtlich den Kern. Auch zu den Eltern habe sie immer ein sehr offenes Verhältnis gepflegt. Gerade in der Zeit als Leiterin der Kita "Mauz und Hoppel" im Ortsteil Krakau (sie wurde 1994 geschlossen) habe es viele gemeinsame Aktionen und Feiern gegeben, ebenso in den anderen Einrichtungen. Auch unter den Kolleginnen lief es stets gut. "Das war bei uns immer wie in einer großen Familie", denkt sie zurück.

Ehrenamt ins Auge gefasst

Ein Leben ganz ohne für andere da zu sein kann sich Christine Staude nicht vorstellen. Gern würde sie ehrenamtlich arbeiten, will sich in dieser Hinsicht umhören. Und fest eingeplant ist auch eine Übernachtung im Zelt im Sommer 2010 mit den fünf Abc-Schützen aus ihrer Gruppe, die jetzt in die Schule gekommen sind. "Das habe ich versprochen", lacht sie.

http://www.mz-web.de/servlet/ContentServ…d=1018348861894

Mittelstands Anzeiger


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