Gestürzte Germania offenbart lange bewahrtes Geheimnis
Bei der Umgestaltung des Marktes in Schafstädt fanden Bauarbeiter eine Metallhülse aus Zink
VON ELKE JÄGER, 13.03.09, 18:09h, aktualisiert 13.03.09, 20:19h

Fundstelle
Ortschronist Jürgen Hedler (l.), Ortsbürgermeister Klaus Andres (r.) und sein Stellvertreter Michael Kuhlis an der Fundstelle der Hülse. (FOTO: PETER WÖLK)
SCHAFSTÄDT/MZ. "Wir hatten schon so eine Ahnung", wiegt Klaus Andres nachdenklich den Kopf. "Wir wussten ja, wo auf dem Platz die Germania gestanden hatte." Deshalb sprachen der Ortsteilbürgermeister Andres sowie Ortschronist Jürgen Hedler gleich mit den Bauarbeitern, als kürzlich auf dem Schafstädter Markt der Bagger anrückte. "Sie sollten in Nähe des früheren Denkmals vorsichtig sein und uns sofort informieren, wenn sie etwas Ungewöhnliches finden."
Diese Warnung war wichtig. Nur wenige Tage später grub der Bagger nämlich eine Hülse aus, welche die Vermutungen bestätigte. Leider war sie von dem schweren Gerät schon erfasst und an einer Seite beschädigt worden, doch der Inhalt zum Glück bis auf eine abgerissene Zeitungsseite intakt geblieben. Hedler, Andres und seinem Stellvertreter Michael Kuhlis war regelrecht feierlich zumute, als sie die Kapsel aus Zink komplett öffneten.
Im Inneren befanden sich Zeitungen, Dokumente und eine Münze (1 Mark, geprägt 1876), alles im vorzüglichen Zustand. "Die Hülse hatte in einer Aussparung im Sandsteinsockel des Germania-Denkmals gelegen, das 1960 gestürzt worden war", weiß Jürgen Hedler. Von dem Fund verspricht er sich weitere Erkenntnisse zur Stadtgeschichte. Bekannt war bereits, dass die Grundsteinlegung für das Denkmal am 2. September 1877 erfolgt ist. Aus dem Jahre stammen auch die Zeitungen, darunter eine "Gerichtszeitung", die "Hallische Zeitung" und "Der Bazar", eine Handarbeitszeitung.
Eine Urkunde würdigt den Anlass: dass der Grundstein gelegt wurde zu einem Denkmal "nach den drei unter Sr. Majestät dem Kaiser und König Wilhelm I. siegreich geführten und glorreich beendeten Kriegen von 1864, 1866 und 1870 und 1871". Der Preis für diese Siege war auch in Schafstädt hoch: Auf einem weiteren Blatt stehen die Namen von 170 Männern, die im Felde ihr Leben lassen mussten - fein säuberlich notiert in wie gestochen wirkender Sütterlinschrift. Enthalten ist ebenfalls das Festprogramm des Tages mit Liedern, Ansprachen, einem Umzug und dem Festball am Abend. In den Unterlagen fand sich ein Hinweis, dass Schafstädt damals rund 2400 Einwohner hatte. "Mehr als heute", konstatiert Andres. Schafstädt ist seit 2008 Ortsteil von Bad Lauchstädt.
Mit dem Fund der Hülse aus dem Fundament flammen auch die Diskussionen zum Schicksal der Germania wieder auf. Das Kriegerdenkmal war im Jahre 1960 aus politisch-ideologischen Gründen geschleift worden. Was tatsächlich aus der Figur wurde, konnte später nie bis zum Letzten aufgeklärt werden, erzählt Hedler. Zur 450-Jahrfeier 2008 habe sich die Stadt mal nach den Kosten für einen Nachguss erkundigt: Derzeit sei er leider unbezahlbar.
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