Die «gute Stube» in der Scheune
Der erste Kartoffelmarkt in Milzau mit seinen
zahlreichen bunten Ständen lockte Besucher
von Elke Jäger,
15.09.08, 19:21h, aktualisiert 15.09.08, 19:26h

Das Erlebnismuseum der Milzauer in der
«Alten Scheune» mit seinen zahlreichen Gerätschaften lockte zu seiner
Eröffnung zahlreiche Neugierige.(Foto: MZ)
Milzau/MZ.
"So ein schönes Kanapee", sagte die ältere Dame bewundernd und strich sachte mit
der Hand über den dunkelroten Samt. "Das gab es aber nur in der guten Stube!"
Und genau so eine hat Kurt Schönburg, Restaurator und Maler, in der Alten
Milzauer Scheune täuschend echt an die Giebelwand gezaubert. Während
Holzbalkendecke, Vogelkäfig und Kronleuchter nur eine Illusion sind, gibt es das
Kanapee tatsächlich.
Es wurde, wie zahlreiche bäuerliche
Gerätschaften, von Milzauer Einwohnern gespendet und hat nun seinen Platz im
Erlebnismuseum in der Alten Scheune gefunden. So gab es am Sonnabend eine
doppelte Premiere im Dorf: Die Eröffnung des Museums und den ersten
Kartoffelmarkt auf dem Gelände zwischen Pferdestall und Scheune. Mit sichtlichem
Stolz berichtete Bürgermeister Günter Teichmann (parteilos) über das Entstehen
des Museums.
Die Ausstellungstücke, allesamt
blitzeblank und funktionsfähig, stehen auf stabilen Regalen hoch oben an der
Wand. Der Raum unten wurde bewusst frei gehalten, um hier Veranstaltungen und
Projekte durchführen zu können. In der einen Ecke duftete es bereits aus dem
neuen Holzbackofen, in einem kleinen Häuschen gegenüber befindet sich die Küche.
Im kommenden Jahr soll während der Sommersaison am Wochenende hier ein kleines
Café Radler und Wanderer zur Rast bei Kaffee und frisch gebackenem Kuchen
einladen.
Rund zwei Millionen Euro hat die Gemeinde
Milzau in den vergangenen Jahren in die Alte Scheune gesteckt, die nun ein
wahres Schmuckstück geworden ist. Teichmann würdigte auch die solide Arbeit der
über ABM Beschäftigten und der Ein-Euro-Jobber an diesem Projekt. Den letzten
Schliff hat letztlich der 84-jährige Kurt Schönburg, selbst gebürtiger Milzauer,
der Scheune gegeben. Die Wandbilder wurde immer wieder bewundert. "Ich habe hier
auch meine Erinnerungen aus dem dörflichen Leben festgehalten", erzählte er. Zum
Beispiel die Bestellung der Äcker und das Brunnenbohren. Draußen lud ein
zünftiger Bauernmarkt zum Bummeln, Schauen, Verweilen und Kaufen ein. Passend
zum Namen des Festes durften natürlich die Knollen nicht fehlen. Wer sie nicht
im Sack oder Beutel nach Hause tragen wollte, konnte sich sich Kartoffelsuppe,
-salat oder Pellkartoffeln mit Quark beziehungsweise Hering schmecken lassen.
Die Kids bekamen Pizza, und zwar selbst
fabrizierte. Das Unternehmen Schäfer Bäcker hatte die Zutaten mitgebracht und
sorgte auch für die Bestückung des neuen Backofens.
Zu den Unterhaltungs-Angeboten gehörte
zudem das Melken der künstlichen "Kuh". Bertram und Simon, beide 13 Jahre,
versuchten es - und schlugen sich tapfer. In 30 Sekunden zapfte Simon immerhin
950 Milliliter Wasser aus dem Euter. "Ich will die 1000 schaffen", nahm er sich
vor.
http://www.mz-web.de/servlet/ContentServ…d=1018348861894