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Samstag, 26. Juli 2003, 19:50

Die Geschichte von Bad Lauchstädt

Das Landstädtchen kann auf eine über tausendjährige Geschichte zurückblicken. Am Flüßchen Laucha gelegen, wird es bereits vom Hersfelder Zehntverzeichnis um das Jahr 890 als "Lochstat" (Waldstätte) erwähnt.

Nachdem die Pfalz Thüringen, die Mark Landsberg und das Erzstift Magdeburg Besitzer waren, kam die Stadt 1444 zum Bistum Merseburg. Hundert Jahre später, 1544 , fiel Lauchstädt unter die Administration der Herzöge von Sachsen und befand sich seit 1738 unter unmittelbarer Hoheit der sächsischen Kurfürsten.

Nach den Befreiungskriegen und dem Wiener Kongreß im Jahre 1815 ging es in preußische Herrschaft über und gehörte seitdem I.April 1816 zur neugebildeten preußischen Provinz Sachsen.
Diese bildete nach dem 2. Weltkrieg einen Teil des Landes Sachsen-Anhalt, das 1949 jedoch in die Bezirke Halle und Magdeburg geteilt wurde.

Früher als vielen anderen, heute wesentlich bedeutenderen Städten, nämlich im Jahre 1430 unter dem Merseburger Bischof Nicolaus Lübeck (1411-1431), wurden Lauchstädt die Stadtrechte verliehen.

Wenn der Ort noch lange Zeit eher unbedeutend blieb, dann auch deshalb, weil Naturkatastrophen und Kriege die Entwicklung empfindlich störten. So gab es diverse Feuersbrünste. Die wohl schlimmste wütete im Jahre 1701 , als fast die gesamte Stadt von den Flammen zerstört wurde.

Immer wieder waren auch Hochwasser der Laucha, meist durch Wolkenbrüche verursacht, ein Problem für den Ort. Das letzte, im Jahre 1965 , ist den meisten Lauchstädtern noch in böser Erinnerung.
Auch der Dreißigjährige Krieg hinterließ seine Spuren. 1631 brandschatzten die kaiserlichen Truppen in der Stadt und zerstörten den Vorort St. Ulrich völlig.

Fünf Jahre später hinterließen durchziehende Schweden noch einmal schlimme Verwüstungen. Der Ort verarmte und zählte 1662 nur noch 59 Einwohner.
Bekannt und berühmt wird der Ort erst durch die Entdeckung der Heilquelle. Kein geringerer als der hallenser Geheimrat Prof. Dr. med. Friedrich Hoffmann wies um 1700 die Heilkraft der Quelle nach. Die Herzogin Erdmuthe Dorothea von Sachsen-Merseburg ließ um 1710 die Quelle fassen.

Aus Lauchstädt wurde das "Bad" Lauchstädt, womit für die Stadt der Aufstieg zu einem der beliebtesten Modebäder des 18. Jahrhunderts begann. Das "sächsische Pyrmont", wie es auch genannt wurde, besuchten hoher und niederer Adel, Kaufleute, die gebildeten Stände und wohlhabende Handwerker, anfangs hauptsächlich aus Thüringen und Sachsen. Zunehmend kamen dann aber auch Kurgäste aus ganz Europa. Neben Goethe und Schiller sind in der Kurliste z.B. Geliert, Gottsched, Gleim und Frau von Stein vermerkt. Da der Ort außer dem Heilwasser zur Unterhaltung der Gäste recht wenig zu bieten hatte, erbat sich der Komödiant Wilde im Jahre 1761 die Erlaubnis, Marionettentheater aufführen zu dürfen. Vielleicht inspiriert davon, erbaute Theaterdirektor Koberwein 1776 eine "bretterne Komödienbude", in der echte Schauspieler ihr Können zeigten. Neun Jahre später ließ dann der Theaterdirektor Bellomo aus Weimar ein Komödienhaus errichten.

Durch die Anwesenheit des kurfürstlichen Hofes begann damit für Lauchstädt die Periode des Glanzes.
Der Merseburger Stiftsbaumeister Johann Wilhelm Chryselius entwarf den Plan der Kuranlagen und leitete deren Bau. Er schuf damit eines der prächtigsten bau- und gartenkünstlerischen Badeensembles des ausgehenden Barocks. 1780 wurde der Kursaal samt Küchengebäude fertiggestellt, 1785 entstanden die Kolonnaden und 1796 kam erstmalig die herzoglich-weimarische Hofschauspieler-Gesellschaft, die bis 1814 hier jährlich gastierte. 1802 wurde nach Plänen von Heinrich Gentz ein Theater gebaut, dessen Aufführungen durch Goethes Leitung den damals bedeutendsten deutschen Bühnen ebenbürtig war.

Goethe hatte ein sehr enges Verhältnis zu Lauchstädt. Neben seiner Tätigkeit als Oberdirektor des Theaters verbrachte er hier viel Zeit mit seiner späteren Frau, Christiane Vulpius, und hielt hier für seinen 1805 verstorbenen Freund Friedrich Schiller die Totenfeier.
Nachdem die weimarische Hofschauspieler-Gesellschaft 1814 zum letzten Mal in Lauchstädt aufgetreten war, verblaßte der Ruhm des Ortes und seines Theaters schnell. Die Kuranlagen gerieten in Vergessenheit und es begann eine Zeit des Verfalls.

Erst Ende des 19. Jahrhunderts raffte sich die Stadt wieder auf. Am 2. Juli 1896 fand ein großartiges Erinnerungsfest statt, mit dem man die glanzvolle Zeit wieder wachrufen wollte. Das Theatergebäude aber verfiel. Nur dem Theaterverein, besonders aber dem Geheimrat Dr. Heinrich Lehmann aus Halle ist es zu verdanken, daß der drohende Abriß des Theaters verhindert werden konnte. Er stellte aus seinem Privatvermögen 50.000 Reichsmark für die Restaurierung des Theaters zur Verfügung, das am 13./14. Juni 1908 festlich wiedereröffnet werden konnte. Für diesen Einsatz verlieh die Stadt Dr. Lehmann 1907 die Ehrenbürgerschaft.

Bis zur Entdeckung der Heilquelle lebte Lauchstädt hauptsächlich von der Landwirtschaft. Der fruchtbare Boden der umliegenden Felder brachte einigen Wohlstand. Später kam der Kurbetrieb dazu, der zu einem wirtschaftlichen Aufschwung führte. Das Heilwasser wurde anfangs viel zum Baden genutzt. Schon damals verschaffte es Gicht- und Rheumakranken Linderung. Gegen Ende des 19. Jahrhundorts wurde es wegen seiner Heilkraft bei Zucker- und Nierenleiden immer häufiger auch getrunken.

Dr. Fritz Lauterbach gründete 1905 den Mineralbrunnen-Versand des Königlichen Bades zu Lauchstädt. Unter seiner Leitung entwickelte sich der Betrieb zu einem der größten seiner Art weltweit. Der Versand füllte täglich bis zu 30.000 Flaschen Mineralwasser ab und bot vielen Lauch-Städtern einen Arbeitsplatz. Andere Bürger fanden in dieser Zeit nach wie vor in der Landwirtschaft Arbeit, in Otto Gottschalks Elektromotorenfabrik, Otto Raths Baugeschäft oder in den örtlichen Likörfabriken Carl August Schimpff sowie Feldtmann & Co., der bedeutendsten im Regierungsbezirk Merseburg.

Handel und Handwerk entwickelten sich gut und für das leibliche Wohl war ebenfalls bestens gesorgt. 1924 hatte Lauchstädt immerhin 11 Gaststätten. Ein großer Tag für Lauchstädt war der 25. Juni 1925 . An diesem Tage erhielt der Ort per Erlaß des Preußischen Ministers des Innern die Genehmigung sich "Bad Lauchstädt" nennen zu dürfen. Die bisher übliche Bezeichnung erhielt damit einen offiziellen Status.

Mit dem Bau der Buna Werke im ca. 10 Kilometer entfernten Schkopau machte sich ab 1936 die zunehmende Industrialisierung der Region auch in Bad Lauchstädt bemerkbar. Es entstanden zahlreiche Werkswohnungen, die Zahl der Einwohner stieg rasch an.
Die Weltkriege überstand Bad Lauchstädt relativ unbeschadet. Die alte Bausubstanz blieb auch in den Jahren danach weitgehend erhalten, obwohl eine mangelnde Instandhaltung vor allem nach dem 2. Weltkrieg im gesamten Stadtbild Spuren hinterließ. So war z.B. nicht genügend Geld für die Erhaltung der Parkanlagen vorhanden.

Große Verwüstungen verursachte das Hochwasser der Laucha am 16. Juli 1965 . Es zerstörte nicht nur einen großen Teil des Parks, auch in der Stadt richtete es erhebliche Schäden an. Dies war der Anlaß zur aufwendigen und orginalgetreuen Rekonstruktion der historischen Anlagen, die 1966 begann und 1968 abgeschlossen wurde.
Die Sehenswürdigkeiten der Stadt präsentieren sich seitdem wieder als lohnendes Ziel.

Betrachtet man die Stadtentwicklung seit der Wende 1989 , so sind enorme Fortschritte sichtbar. Die Infrastruktur wurde verbessert, Fördermittel und private Investitionen helfen bei der Stadtsanierung.

Text leicht verändert
aus dem Buch "Grüße aus Bad Lauchstädt"
von Hubertus Kiesel

Mittelstands Anzeiger


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