Bad Lauchstädt möchte sich als attraktive Kleinstadt zeigen - Verfallene Gebäude stören schönes Bild - Eigentumsfragen ungeklärt
Die kleinstädtische Idylle, die Bad Lauchstädt vermittelt, gefällt Gästen aus nah und fern. Natürlich kommen sie vor allem der Historie wegen, wollen das berühmte Goethe-Theater sehen und die anderen Orte, an denen der Meister weilte. Und dann locken die Historischen Kuranlagen. Der gepflegte weitläufige Park, die Pavillions, die Kolonnaden. Zum Stadtzentrum mit Schloß und Markt sind's nur wenige Meter, und auch hier trifft der Besucher auf Schritt und Tritt Spuren einer längst vergangenen Zeit.
Lauchstädt galt als mondäner Bade- und Kurort, in dem sich die feine Gesellschaft traf, sich unterhalten ließ, ihre Flirts pflegte. . .
Zum Beispiel im Kurhaus in der Parkstraße 13. Wäre nicht das Schild am Gebäude, käme kaum jemand auf die Idee, in der verfallenen Ruine ein kulturgeschichtliches Denkmal zu vermuten. Parkstraße 13 und 11 gehören zu den Bauwerken, die alles andere denn Glanzlichter sind. Oft - aber nicht nur - liegt es an ungeklärten Eigentumsverhältnissen. Die Grundstücke in der Parkstraße, Denkmäler beide, gehörten früher dem Buna-Werk. Nun sucht Dow einen Investor, soll auch schon Verhandlungen führen. Genaueres ist nicht zu erfahren.
Ein Bild des Jammers bietet ebenfalls das Haus in der Naumburger Straße 19. Die Fensterscheiben zerschlagen, das Dach marode, rechts und links gehalten von zwei schmucken Häuschen.
Schon zweimal schrieb die Treuhand das Grundstück öffentlich aus, ein Käufer fand sich immer noch nicht. Interessenten, heißt es, habe es wohl gegeben, allerdings sollen sie ganz andere Preisvorstellungen als die TLG gehabt haben.
Ein ähnliches Schicksal schien lange Zeit auch dem ehemaligen Amtshaus beschieden, in Top-Lage zwischen Kuranlagen und Markt gelegen. Ein großes Eckhaus, mit Fachwerk und hohem Dach, erbaut im 17. Jahrhundert. Damals diente es als Gerichtsgebäude - im Hof befand sich sogar das Gefängnis - und als Sitz des herzoglichen Amtsmannes. Zweimal wurde dieses denkmalgeschützte Bauwerk von der TLG ausgeschrieben, in der zweiten Runde meldeten sich neun Bieter, einige allem Anschein nach mit ernsten Absichten. Inzwischen entschied der Vergabeausschuß über den Zuschlag, doch ein Verkaufsvertrag ist noch nicht unterzeichnet.
Bleiben wir im Zentrum. Gleich hinter dem schmucken sanierten Rathaus kümmert ein ehemals stattliches Eckhaus vor sich hin. Markt 9, hier hat ausgerechnet der städtische Bauhof seinen Sitz. Warum passiert nichts? Das Grundstück, gibt Bürgermeisterin Maria Loos Auskunft, befinde sich Zwar seit Jahren in Rechtsträgerschaft der Stadt, es gebe aber einen Rückforderungsanspruch. Nachdem der in erster Instanz beim Landratsamt abgelehnt wurde, legten die ehemaligen Eigentümer Widerspruch ein. Dieses Verfahren zieht sich hin. Die Stadt darf aber
nur in per Grundbucheintrag verbrieftes Eigentum investieren. Inzwischen, so Loos, denke man im Rathaus über einen neuen Standort für den Bauhof nach.
Während die beiden Längsseiten des Marktes anschauliche Beispiele für gelungene Sanierung und angepaßten Lücken-Neubau (Sparkasse) bieten, fällt die Ostseite regelrecht ab. Das Gebäude am Markt 16 verkaufte die Stadt an einen Interessenten, der ein Wohn- und Geschäftshaus plant. Der Baubeginn verschob sich bereits einige Male, im Rathaus will man optimistisch bleiben.
Das gilt auch für das Anwesen an der Ecke Goethe-Lindenstraße, ein geräumiges Haus unweit des historischen Theaters und des Schlosses. Nach wie vor steht es leer, wirkt trotz allem imposant doch der beginnende Verfäll zeigt sich. Die Stadt verkaufte es mit einer befristeten Investitionsverpflichtung. Das sei generell so bei städtebaulich wertvollen Grundstücken, erklärt die Bürgermeisterin. Was aber, wenn sich der Vertragspartner nicht daran hält? Hier ist die Zeit bald abgelaufen. Und dann? Theoretisch müßte die Kommune das Haus zurücknehmen, doch solch einen Fall hat es bisher noch nicht gegeben.
Artikel aus der MZ vom April 97
Auch hier hat sich einiges getan und auch hier werde ich ein zeitgemäßes Foto beifügen.