Bergbauregion Mücheln in Sachsen-Anhalt hält an Tourismuskonzept fest
Mücheln. Die Idylle am Geiseltalsee wird am Dienstagnachmittag nur durch das laute Motorengeräusch von Rasenmähern durchbrochen. Radfahrer und Wanderer machen einen Abstecher zum künftigen Hafen unterhalb der Kleinstadt Mücheln 35 Kilometer südwestlich von Halle in Sachsen-Anhalt. Von Angst oder Zögern nach dem folgenschweren Erdrutsch am Concordia-See am Samstag in Nachterstedt ist bei ihnen nichts zu spüren.
An der Kaimauer von Deutschlands künftig größtem künstlichem See steht ein Rentner und unterhält sich mit zwei Frauen. Der Mann berichtet vom Bergbau zu DDR-Zeiten im Geiseltaler Revier, in dem fast 300 Jahre lang Braunkohle gefördert wurde. Als Abteilungsleiter im damaligen Braunkohlenkombinat Geiseltal sei er für die Rekultivierung der Halden zuständig gewesen, sagt Horst Schoppe.
Der 78-Jährige spricht von «biologischer Verbauung der Böschungen». Dazu sei zunächst Gras auf den eingeebneten Böschungen gesät worden, um Erosionsrinnen im Boden zu verhindern. Später seien zur Oberflächenstabilisierung noch Weiden und Birken gepflanzt worden. Über die biologische Befestigung der Böschungen habe er auch seine Dissertation geschrieben. Inzwischen befinde sich seine Doktorarbeit im Stadtarchiv von Mücheln, sagt der Wissenschaftler, der sich nicht an Spekulationen über die Unglücksursache von Nachterstedt beteiligen will.
An seiner Seite steht eine Frau aus der Dominikanischen Republik, die Schoppe aus ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit für hilfsbedürftige Kinder in dem Karibikstaat über das Internet kennengelernt hatte. Die gebürtige Schweizerin Erika Grieder steht zum ersten Mal am Ufer des Geiseltalsees. Nach dem schrecklichen Unglück in Nachterstedt will sie einfach mal sehen, wie ehemalige Tagebaue ihr Gesicht wandeln und zu Tourismuszentren werden, sagt sie.
Von Angst will der Vorsitzende des Interessen- und Fördervereins «Geiseltalsee» Reinhard Hirsch nicht sprechen, der sich im Hafengebäude mit dem Geschäftsführer der Marina, Thomas Weiß, verabredet hat. Die Lausitzer- und Mitteldeutsche Bergbauverwaltungsgesellschaft (LMBV) als verantwortliches Unternehmen bei der Sanierung ehemaliger Braunkohlengruben habe nach derzeitigem Stand der Bergbautechnik in den vergangenen Jahren das Gebiet gesichert, sagt er. Die Böschungen seien so gestaltet worden, dass man von einer großen Standsicherheit des Geländes ausgehen könne. Im Bergbau gebe es aber immer Überraschungen, schränkt Hirsch mit Blick auf die Katastrophe von Nachterstedt ein, bei der drei Menschen unter Erdmassen begraben wurden.
Zu DDR-Zeiten sei bereits an der Flutung des Geiseltals gearbeitet worden, in dem seit 1698 über 300 Jahre lang Braunkohle gefördert wurde, sagt Hirsch. Aus dem Gebiet sollte der Wasserspeicher Geiseltal entstehen. Deshalb sei mit der Sicherung der Böschungen noch während des aktiven Bergbaus begonnen worden. In den 1990er Jahren wurden beispielsweise im Müchelner Ortsteil Bienrode 15 Millionen Kubikmeter Abraum aus einem angrenzenden Tagebau als sogenannte Stützkippe aufgeschüttet.
Die Stadt Mücheln, die über Jahrhunderte vom Bergbau geprägt wurde, setzt wegen ihrer Lage am Geiseltalsee auf den Tourismus. Ein Hafen wurde errichtet. Dort sollen in den nächsten Jahren 120 Boots- und Ferienhäuser errichtet werden. Der Chef der Marina, Weiß, sagt, 8,4 Millionen Euro seien in den vergangenen Jahren in die touristische Erschließung bereits investiert worden. Er geht davon aus, dass nach dem Unglück von Nachterstedt nur wenige Interessenten aus Angst ihr Baupläne am Ufer des Geiseltalsees aufgeben werden.
Weiß rechnet aber fest damit, dass im Tourismus die Zukunft der Region liegen wird.
http://www.eturbonews.de/2171/bergbaureg…muskonzept-fest