Sie sind nicht angemeldet.

1

Dienstag, 21. Juli 2009, 21:41

Bürgermeister im Geiseltal warnen vor Panik

Unruhe an den Tagebau-Seen
Nach dem Erdrutsch in Nachterstedt warnen die Bürgermeister im Geiseltal vor Panik
VON DIANA DÜNSCHEL UND HEIKE RIEDEL, 20.07.09, 19:57h, aktualisiert 20.07.09, 22:18h

HALLE/SAALEKREIS/MZ. Der Erdrutsch am Concordia-See in Nachterstedt und seine Folgen haben auch Entsetzen in der südlichen Bergbauregion Sachsen-Anhalts ausgelöst. Der Anteilnahme mit den Betroffenen folgt zugleich die Frage: Kann Ähnliches hier auch geschehen? Denn die im Saalekreis gelegenen Gewässer Geiseltalsee, Großkaynaer See, Wallendorfer und Runstedter See sowie die Hasse sind allesamt ebenfalls ehemalige Tagebaurestlöcher.

Beispielsweise rings um den Geiseltalsee, der noch bis 2010 mit Saalewasser geflutet wird und der wie der Concordia-See als Touristenmagnet etabliert werden soll, herrscht betroffenes Nachdenken. So reichen im Müchelner Ortsteil Neubiendorf und in Neumark, das zu Braunsbedra gehört, die Wohnbebauungen fast bis an die Uferböschung heran. Auch Gartenanlagen und das Gewerbegebiet in Krumpa liegen direkt am See. Doch die Bürgermeister haben die Einwohner Montag aufgefordert, nicht in Panik zu geraten.

"Natürlich ist das Unglück am Concordia-See bei uns Tagesgespräch", sagte Braunsbedras Bürgermeister Steffen Schmitz (CDU). Für die eigene Bebauung am See sehe er momentan keinen Anlass zur Sorge. "Neumark steht auf gewachsenem Boden, nicht auf einem Haldenbereich." Man werde aber aufmerksam die Ursachenerforschung in Nachterstedt verfolgen, so Schmitz. Ebenso sieht Müchelns Bürgermeister Udo Wurzel (parteilos) keine Parallelen zu Nachterstedt. "Neubiendorf liegt auf gewachsenem Grund und Boden. Es gab dort bisher nie Probleme mit Rutschungen oder Setzungen."

Die Sanierung der stillgelegten Tagebaue oblag und obliegt der Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbauverwaltungsgesellschaft (LMBV). Dort waren die Verantwortlichen Montag so sehr mit dem Unglück von Nachterstedt beschäftigt, dass sie noch keine Aussage zur Sicherheit anderer Sanierungsstandorte treffen wollten. Erst Dienstag wolle man sich dazu äußern.

Von dem noch aktiven Tagebau in Profen im Burgenlandkreis geht laut Horst Schmidt, dem Technischen Geschäftsführer der Mitteldeutschen Braunkohle GmbH (Mibrag), keine Gefahr aus: "Es setzt sich am Rand unserer Gruben zwar immer wieder mal Böschung ab, doch kann das nicht zu einem vergleichbaren Ereignis führen." Das betreffe Bereiche von etwa 20 Metern und beeinflusse nur innerbetriebliche Prozesse - und die auch nur so, dass Menschen nicht gefährdet werden. Es gehöre zum Alltag bei der Kohlegewinnung, dass Kippen und Schnittbereiche beobachtet und Standsicherheitsnachweise erbracht werden, so Schmidt. Böschungswinkel und Wasserstände unterlägen ständigen Messungen, der Sicherheitsstreifen um den Tagebau werde kontrolliert.

Aus seiner Sicht sind die Randbedingungen an den Seen südlich von Halle ganz andere als in Nachterstedt, so dass er ein ähnliches Ereignis hier nicht für möglich hält.

http://www.mz-web.de/servlet/ContentServ…geId=0&listid=0

Mittelstands Anzeiger


2

Mittwoch, 22. Juli 2009, 08:12

Bergbauregion Mücheln in Sachsen-Anhalt hält an Tourismuskonzept fest

Mücheln. Die Idylle am Geiseltalsee wird am Dienstagnachmittag nur durch das laute Motorengeräusch von Rasenmähern durchbrochen. Radfahrer und Wanderer machen einen Abstecher zum künftigen Hafen unterhalb der Kleinstadt Mücheln 35 Kilometer südwestlich von Halle in Sachsen-Anhalt. Von Angst oder Zögern nach dem folgenschweren Erdrutsch am Concordia-See am Samstag in Nachterstedt ist bei ihnen nichts zu spüren.

An der Kaimauer von Deutschlands künftig größtem künstlichem See steht ein Rentner und unterhält sich mit zwei Frauen. Der Mann berichtet vom Bergbau zu DDR-Zeiten im Geiseltaler Revier, in dem fast 300 Jahre lang Braunkohle gefördert wurde. Als Abteilungsleiter im damaligen Braunkohlenkombinat Geiseltal sei er für die Rekultivierung der Halden zuständig gewesen, sagt Horst Schoppe.

Der 78-Jährige spricht von «biologischer Verbauung der Böschungen». Dazu sei zunächst Gras auf den eingeebneten Böschungen gesät worden, um Erosionsrinnen im Boden zu verhindern. Später seien zur Oberflächenstabilisierung noch Weiden und Birken gepflanzt worden. Über die biologische Befestigung der Böschungen habe er auch seine Dissertation geschrieben. Inzwischen befinde sich seine Doktorarbeit im Stadtarchiv von Mücheln, sagt der Wissenschaftler, der sich nicht an Spekulationen über die Unglücksursache von Nachterstedt beteiligen will.

An seiner Seite steht eine Frau aus der Dominikanischen Republik, die Schoppe aus ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit für hilfsbedürftige Kinder in dem Karibikstaat über das Internet kennengelernt hatte. Die gebürtige Schweizerin Erika Grieder steht zum ersten Mal am Ufer des Geiseltalsees. Nach dem schrecklichen Unglück in Nachterstedt will sie einfach mal sehen, wie ehemalige Tagebaue ihr Gesicht wandeln und zu Tourismuszentren werden, sagt sie.

Von Angst will der Vorsitzende des Interessen- und Fördervereins «Geiseltalsee» Reinhard Hirsch nicht sprechen, der sich im Hafengebäude mit dem Geschäftsführer der Marina, Thomas Weiß, verabredet hat. Die Lausitzer- und Mitteldeutsche Bergbauverwaltungsgesellschaft (LMBV) als verantwortliches Unternehmen bei der Sanierung ehemaliger Braunkohlengruben habe nach derzeitigem Stand der Bergbautechnik in den vergangenen Jahren das Gebiet gesichert, sagt er. Die Böschungen seien so gestaltet worden, dass man von einer großen Standsicherheit des Geländes ausgehen könne. Im Bergbau gebe es aber immer Überraschungen, schränkt Hirsch mit Blick auf die Katastrophe von Nachterstedt ein, bei der drei Menschen unter Erdmassen begraben wurden.

Zu DDR-Zeiten sei bereits an der Flutung des Geiseltals gearbeitet worden, in dem seit 1698 über 300 Jahre lang Braunkohle gefördert wurde, sagt Hirsch. Aus dem Gebiet sollte der Wasserspeicher Geiseltal entstehen. Deshalb sei mit der Sicherung der Böschungen noch während des aktiven Bergbaus begonnen worden. In den 1990er Jahren wurden beispielsweise im Müchelner Ortsteil Bienrode 15 Millionen Kubikmeter Abraum aus einem angrenzenden Tagebau als sogenannte Stützkippe aufgeschüttet.

Die Stadt Mücheln, die über Jahrhunderte vom Bergbau geprägt wurde, setzt wegen ihrer Lage am Geiseltalsee auf den Tourismus. Ein Hafen wurde errichtet. Dort sollen in den nächsten Jahren 120 Boots- und Ferienhäuser errichtet werden. Der Chef der Marina, Weiß, sagt, 8,4 Millionen Euro seien in den vergangenen Jahren in die touristische Erschließung bereits investiert worden. Er geht davon aus, dass nach dem Unglück von Nachterstedt nur wenige Interessenten aus Angst ihr Baupläne am Ufer des Geiseltalsees aufgeben werden.
Weiß rechnet aber fest damit, dass im Tourismus die Zukunft der Region liegen wird.

http://www.eturbonews.de/2171/bergbaureg…muskonzept-fest

Mittelstands Anzeiger


Lesezeichen:

WebPack 3.0 von Host Europe