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Dienstag, 13. September 2005, 08:19

Geschichte der Stadt Mücheln

Die Geschichte der Stadt Mücheln ( Geiseltal ) in Zahlen

Erstbesiedlung des Ortes: Vor ca. 4000 bis 5000 Jahren (Schätzung nach Bodenfunden)
Erste urkundliche Nennung des Ortes im "Hersfelder Zehntverzeichnis", um das Jahr 890, der Ort als "Muchilidi" und als Burg der Name "Muchileburg", später "Muchunlevaburg".
Der Name des Ortes wechselte danach öfter, wie z. B.: "Muchilacha" (899), 1127 "Mucheln", 1197 "Muchele", um 1300 "Muchilde".

Über die Deutung des Namens (Ergebnisse aus der Sprachforschung) des Ortes:
... slawisch: "mogila" = Hügel, Erhöhung/Niederlassung an oder auf einer Erhöhung.
Nach unserer geschichtlichen Deutung der Entwicklung unseres Ortes = Bauernhöfe, sogenannte Ackerbürgerhäuser, in kleinen Haufen aneinandergereiht, Strohdachhütten zu beiden Seiten der "Heerstraße" (siehe Flurbezeichnungen in alten Flurkarten/Lageplänen). Diese Straße, von Merseburg kommend, führte zum Unstruttal. Etwa südlich der heutigen "Klinge", welche nach Überlieferungen das Flussbett der "Geisel" bildete, lag die Burg. Die Beweise einer einstmals vorhandenen Burg sind fast sicher. Ein kastellartiges Gebäude mit Nebenhäusern und kleiner Kapelle, durch Wall, Graben und dicke Steinmauern geschützte Gebäude. Die Stelle, an welcher die Burg stand, müsste nach den Überlieferungen oberhalb des heutigen Marktplatzes, einschließlich der Oberpfarre, Stadtkirche St. Jakobi und Diakonat einzuordnen sein, wenn man den Verlauf der ehemaligen Stadtmauer mit in Betracht zieht. Die Straßenbezeichnungen "Auf dem Gerade" und "Unter dem Gerade" heute, lassen sich in gleicher Weise deuten, leiten sich ab: nach dem slawischen Wort "grod" = Burg, demzufolge wahrscheinlich ehemals "Auf der Burg" und "Unter der Burg".
Einige Unterlagen geben Auskunft über die bestandenen Namen der bischöflichen Burgmannen. Aufgabe der Burg war, die wichtige Handelsstraße Burgscheidungen und Vitzenburg an der Unstrut nach Richtung Merseburg talwärts mit zu schützen.



1067- 1069 Die Burgbezirke Mücheln und Burgscheidungen wurden vom König Heinrich IV. dem Hochstift Bamberg geschenkt, welcher danach Teile dieses Besitzes an weltliche Herren zu "Lehen" ausgaben. Zeitweilig wurden die Burgbezirke Mücheln und Freyburg a. U. durch den Landgrafen Hermann von Thüringen dem Bistum Bamberg entrissen.

Um 1120 wurde durch den Bischof Otto von Bamberg der Ort St. Micheln (nach St. Michael)
gegründet.

Um die Zeit 1128/1186 etwa, erfolgte der Bau der romanischen Dorfkirche St. Michael in
St. Micheln. Leider ist dieser Hinweis nicht genauer belegbar!

Etwa um 1250 erfolgte der Bau unserer Stadtmauer, der Stadttürme und der Pforte (auch hier
nur nach den Angaben von Wunder-Völker (1877).
Im späten 12. Jahrhundert liegt die Gründung (Bau) des Wasserschlosses St. Ulrich, eines in unserer Gegend seltenen Pfahlbaues.

1350 Stadtrechtverleihung an Mücheln durch Friedrich den Gestrengen. Mücheln erhält die Rechte: Abhaltung von Märkten, Erhebung von Zöllen, Ausstellung von Urkunden und Unterhaltung einer eigenen Gerichtsbarkeit.

1350 Erster Ausbruch der Pest, dazu noch Ausbruch der Pocken.

1350 "Erich von Muchil" ist Besitzer von 4 Gehöften und Wald in St. Ulrich und "Volkmar von Mucheln" als Besitzer von ebenfalls 4 Gehöften und Ackerland in Mücheln (Aufzeichnungen aus dem Lehnbuch "Friedrich des Gestrengen").

1357 Verleihung der Rechte über das Bierbrauen mit eigener Bannmeile und das des Pechhandels.

1381 starb "Friedrich der Gestrenge" und Mücheln kam mit Freyburg und Nebra in der Erbteilung von 1382 an die Brüder "Friedrich der Streitbare", Wilhelm und Georg. Letzterer starb 1401.

1431 wurde der Weinbau zwischen Mücheln und Stöbnitz genannt, 1731 noch vorhanden!

1500/1600 Die "Geisel" treibt in Mücheln und Umgebung 8 Wassermühlen.

Um 1500 besitzt die Stadt drei Gasthäuser: Die "Obere Sorge", am Topfmarkt, die "Untere Sorge"
(ehem. der Schwan) und die "Dritte Sorge" (die "Schwoka").

1571 Bau des Rathauses Mücheln

1580 Erste Verlegung der Geisel (zur sog. Mahlgeisel), um dem Handwerk, besonders den Mühlen durch den Einbau von Gefällestufen einen schnelleren Wasserlauf zu gewährleisten.

1589 wird die Zunft der Weber bestätigt.

1589 bestand eine Ölmühle im ehemaligen Ortsteil Möckerling.

Um 1600 zählte die Stadt "159 hausbesitzende Bürger und Witfrauen". Da damals eine hohe Kindersterblichkeit vorlag, konnten nur etwa 800 bis 1000 Einwohner geschätzt werden.

1610 Bestätigung der Zunft der Fleischer, 1613 die der Schmiede, Schlosser und Nagelschmiede,
wie auch die der Schuhmacher

1619 ist die Stadt infolge der Wirren zu Beginn des "Dreißigjährigen Krieges" in bitterer Geldnot und borgt von der Stadt Laucha/Unstrut.



1628 der kursächsische Hofmaler, Geograph und Kupferstecher Wilhelm Dilich aus Dresden bereiste die Kleinstädte in Deutschland, insbesondere die in Sachsen und fertigte Lagepläne in Form von Federzeichnungen an. Dilich zeichnete auch unser Städtchen Mücheln vom Wendenberge aus gesehen. Die Originalzeichnung befindet sich im Staatsarchiv in Dresden.
 

Anfänge der Kohleförderung

1630 Der Ratskeller wurde zur "Friedstätte" erklärt (Freistatt = Asyl). Hier durfte keiner geschlagen, geschmäht oder gepfändet werden. Hohe Strafen wurden verhängt, neben Geldstrafen auch der Verlust der rechten Hand.

1631 Große Stadtbrände mit gewaltigen Schäden. Betroffen sind besonders Rathaus, Oberpfarre, Stadtkirche, Schule (Diakonat), alle Gebäude um den Stadtkern erleiden Schäden.

1632 Vor der Schlacht bei Lützen rückt General v. Pappenheim mit seiner Armee in Mücheln ein und vernichtet, was Brände und der 30-jährige Krieg bis dahin übrig gelassen hatte.

1654 Bestätigung der Zunft der Sattler.

1680/81 Ausbruch der Pest. Großes Sterben in der Stadt/451 Opfer.

1698 Erster Kohlefund in Mücheln, in Nähe des ehemaligen Zöbigker Wäldchens (aktenkundlich) - Großer Wolkenbruch! Der Abbau erfolgte in der Regel oberirdisch.

1707 Erste Tagebaugrube in ehem. Zöbigker eröffnet. Abbau mittels Handwerkszeuge und Schiebekarre.

1746 Das Herzogtum Weißenfels (auch Mücheln) fällt an die Kurfürsten von Sachsen zurück.

1757 Viel Leid in Mücheln. Französische Truppen unter der Führung des Prinzen Soubise mit seinen Offizieren und großem Tross nahmen Hauptquartier in Mücheln; im Steckner'schen Grundstück befand sich die Unterkunft des Stabes. Schreckliche Ausschreitungen der Soldaten, besonders im Nachbarort St. Micheln (aktenkundlich)

 
Das Steckner Haus
1760 Erstmalige Erwähnung eines Apothekers in Mücheln

1767 Die Turmuhr ist von der Stadt am 1. Juli in St. Jakobi eingebaut worden.

1770 Von Helldorff kauft Rittergut St. Ulrich und das Wasserschloss. Von dieser Familie gehen Impulse zur Weiterentwicklung der Stadt aus.

1793 Bau der Kirche in St. Ulrich

1815 Mücheln wird preußisch

1820 Es wird der alte Brunnen auf dem Marktplatz vertieft und ausgemauert.

1822 Arbeitslosigkeit und eine Landplage durch herumziehende Handwerksburschen

1830 Es wird der alte Stadtturm am Mühltor abgebrochen. Die Zuckerfabrik in Bedra wird gebaut.

1833 Die Straße über den Ölberg bis zum Markt wird gepflastert.

1836 Einrichtung des Postkutschenverkehr in Richtung Merseburg. Die erste Posthalterei "Auf dem Gerade".

1845 Eröffnung der Kohlengrube "Pauline" in Mücheln. Die Zuckerfabrik in Körbisdorf (Geiseltal) entsteht.

1865 Die Zuckerfabrik in Stöbnitz entsteht, als die zweitgrößte in der Provinz Sachsen-Anhalt.
1867 Am 7. Januar wurde der Heimatdichter Dr. Adolf Holst im Nachbarort Branderoda geboren.

1872 Eröffnung der Grube "Emma" in Lützkendorf

1880 Einwohnerzahl in Mücheln - 1.450

1881 Gründung einer "AKW", der Anhaltinischen Kohlenwerke AG. Diese Gesellschaft kaufte um 1904 kohleführendes Gelände in Möckerling, Zorbau und Stöbnitz auf.

1886 Der letzte Postkutschwagen (Personenpostkutsche!) rollte am 15.12.1886 in Richtung Merseburg. Am 16.12.86 um 11.30 Uhr Empfang des ersten Eisenbahnzuges aus Richtung Merseburg. Merseburg lag bereits 40 Jahre an der "Thüringer Eisenbahnstrecke". Mücheln bekam damit Anschluss an das Mitteldeutsche Verkehrsnetz". Länge der Bahnstrecke Merseburg-Mücheln = 16,1 km.
 
Dampfbagger Grube Elisabeth

1887 Am 25. Juli wurde in Mücheln die "Freiwillige Feuerwehr" gegründet; 48 Wehrmänner waren anwesend.

1895 befand sich die Poststelle ("Kaiserliches Postamt") in einem Raum der ehemaligen Ködel'schen Bäckerei. Später wurde das gesamte Gebäude zum Postamt.

1897 Die ersten Brikettpressen im Geiseltal-Revier werden in der Grube "Emma" bei Lützkendorf eingebaut.

1899 Mücheln erhält Anschluss an das Telefon-Netz. Das erste Telefon wird im Zimmer des Bürgermeisters installiert. Die erste Verbindung mit dem Ort Schafstädt wird hergestellt.

1900 Am 26. März wurde der Grundstein zum neuen Stadtschützenhaus gelegt. Die Einweihungsfeier des neuerbauten Schießhauses fand am 4. November genannten Jahres mit abschließendem großen Festball statt.

1904 Bau eines Elektrizitätswerkes, durch eine Privatgesellschaft ermöglicht, welches die Stadt Mücheln erstmalig mit Strom versorgt. Das ehemalige Müchelner Brauhaus wurde dazu umgebaut.

1906 Am 1. Juli - Beginn des Tagebauaufschlusses der Grube "Elisabeth" der "Anhaltinischen Kohlenwerke AG" in Mücheln. 1908 erste Brikettierung (Presseeinbau)

1911 Bau der Wasserleitung in Mücheln. Vordem Versorgung über Stadt- und Privatbrunnen als auch über die Geisel.

1911 Eröffnung der Eisenbahnstrecke nach Querfurt

1921 Das vierte Zifferblatt der Turmuhr in St. Jakobi, auf der Südseite, wurde eingebaut. Ermöglicht durch eine Spende vom Rechtsanwalt Fritz Lenz aus Mücheln. Die Turmuhr ist von der Stadt am 1. Juli 1767 eingebaut und späterhin erneuert worden; ist Eigentum der Stadt Mücheln.

1924 am 1.4. - Gründung des Theatervereins in Mücheln

1925 Am 1.6. hatte Mücheln rd. 6.600 Einwohner

1925 Großes Volksfest in der Stadt mit dem 450-jährigen Bestehen der "Privilegierten Schützengilde Mücheln e.V.". Ein großer Festumzug mit umfangreichen Feierlichkeiten auf allen Plätzen; in allen Gastwirtschaften wurde das Tanzbein geschwungen. Die Festwoche wurde vom 12. bis 16. Juli durchgeführt.

1926 wurde das Telefon-Selbstwähleramt in Mücheln in Betrieb genommen. 1926 hält auch der Rundfunk in Mücheln Einzug.

1927 Die "Gutsbezirke" wurden in die gleichnamigen Gemeinden überführt.

1928 Bildung und Gründung einer "Berginspektion" für das Bergbaurevier.

1928 Am 4. Mai wurde der Grundstein für die neue Volksschule in der Johannes-Schlaf-Straße gelegt. Im April 1930 konnte diese Schule durch den damaligen Regierungspräsidenten von Harnack aus Merseburg eingeweiht werden. Etwa zehn Jahre später erhielt diese Volksschule den Namen Adolf Holst". Hiermit wird der Kinderlieder-Dichter unserer Heimat, er wurde im Nachbarort Branderoda geboren, geehrt. Im letzten alten Schulgebäude (in der Schustergasse, später Schulstraße), Erbauungszeit 1857, befand sich bis in die Zeit um 1950/52 die "Allgemeine Berufsschule Mücheln".

1929 Eingemeindung von Möckerling und Neubiendorf zu Mücheln. Eingemeindet wurden insgesamt 1.700 Bürger. Am 1.10.1929 erfolgte die Eingemeindung von Zorbau, Zörbigker, Gehüfte und Eptingen zu Mücheln.

1929 Im Laufe des genannten Jahres kam auch die Gemeinde Wenden, mit damals 386 Einwohnern, zur Stadtgemeinde Mücheln. Erst mit Wirkung vom 1. Oktober 1939 kamen die drei Gemeinden Stöbnitz, St. Ulrich und St. Micheln zu Mücheln. Nach dieser Großeingemeindung betrug die Einwohnerzahl Müchelns = 10.628 Personen. Ein weiterer Anstieg der Einwohnerzahl erfolgte durch den wachsenden Wohnungsbau und die Siedlungsmaßnahmen südlich des Stadtkerns.

1933 Gefahrenpunkte an Straßen Müchelns, wie an der Mühlstraße, dem Ölberg sowie zwischen Mühlstraße und Merseburger Straße, wurden durch Umbauarbeiten entfernt; teilweise Verbreiterung der Straßen.

1933 Ab diesem Jahr begannen die umfangreichen Baumaßnahmen zur Abwasserkanalisation in der Stadt.

1936 Mücheln wird amtlich als Mücheln (Geiseltal) festgelegt.

1938 Umfangreiche Straßenpflasterungen im Siedlungsgelände wurden durchgeführt. Der alte Schlamm- und Abwassergraben in der Merseburger Straße wurde beseitigt. Der alte "Spittel" (Armenhaus) in der Merseburger Straße wurde abgebrochen. Bei Ausschachtungsarbeiten oberhalb des Marktplatzes, in der Nähe des Hotels "Deutscher Hof", kamen die alten unterirdischen Gänge (Katakomben) aus der Zeit des 30-jährigen Krieges zum Vorschein.

1939 Die letzte Paketpostkutsche rollte über das Pflaster Müchelns.

1945 Trümmerbeseitigung und Wiederherstellung der beschädigten Grundstücke und Industriewerke als erstes Gebot der Stunde! Neupflasterung der Bahnhofstraße, der Apostelstraße, des Fußweges oberhalb des Marktes, der Gröster Straße usw.

1947 Am 5. Oktober wurde mit dem Abbruch der alten Scheunen in der "Scheunengasse" begonnen, welche auf der Grundmauer der alten Stadtmauer standen.

1947 Am 14. März - Hochwasserkatastrophe in Mücheln, die größte in den letzten 50 Jahren.

1950 Der alte Friedhof - jetzt Stadtpark - wird mit einer Bruchsteinmauer umgeben. Der Friedhof an der Gröster Straße wird seit 1914 belegt.

1950 600-Jahrfeier "Stadtrechtsverleihung" mit einer Festwoche vom 30. Juni bis 9. Juli. Es wurden der Stadt i. J. 1350 Privilegien (Sonderrechte) eingeräumt. Mücheln konnte damit einen gewissen Wohlstand erreichen, der u. a. auch ermöglichte, im Jahre 1571 das herrliche Rathaus zu erbauen. In dieser Festwoche wurde die Müchelner Kantate "Stadt zwischen Kohle und Korn" uraufgeführt. Das Libretto wurde vom Müchelner Studienrat Franz Blüher verfasst, die Komposition vom Studienrat Gerd Ochs aus Halle a.d. Saale. Viele Gäste aus Nah und Fern kamen nach Mücheln, so auch viele ehemalige Müchelner, welche nach jahrelanger Trennung von ihren Angehörigen sich wiedersehen konnten. So gingen z. B. Einladungen nach Afrika, Amerika, Frankreich, England, Schweden, Belgien und Jugoslawien. Nicht wenige Personen, die in Westdeutschland wohnten, konnten nicht in ihre Heimatstadt kommen, weil Zonengrenzen als Folge des letzten Krieges unser gemeinsames Vaterland in zwei Hälften teilten.

Ab 1. Juli 1950 gehörte unsere Stadt zum Kreis Merseburg, bis zu diesem Zeitpunkt zu dem
Kreis Querfurt. 

Quelle: http://muecheln.de/geschichte.htm

 

Mittelstands Anzeiger


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