Sie sind nicht angemeldet.

1

Sonntag, 18. Juli 2004, 09:04

Was ist Brainstorming ?

Was ist Brainstorming ?

Ziel der Methode
Ziel des Brainstormings ist es, zu einem vorgegebenen Thema Ideen oder Lösungsmöglichkeiten zu finden.

Dieses soll möglichst frei von Zwängen geschehen, insbesondere von solchen, denen traditionelle Konferenzen unterliegen. Daher werden bestimmte Verhaltensweisen eingeführt, die Barrieren abbauen und kreatives Verhalten fördern sollen. So ist das Brainstorming eine Gruppenaktivität, die die üblichen gruppendynamischen Zwänge ausschalten soll. Es basiert also auf Gruppenarbeit (synergistischer Effekt) und freier Assoziation (lateralem Denken)

Die Methode wurde 1953 von Alex F. Osborn in den USA entwickelt. Der Name Brainstorming weist darauf hin, dass das Gehirn intensiv nach Ideen durchforscht werden soll.

Aufbau der Methode
Rahmenbedingungen
Eine Brainstorming-Sitzung sollte folgende Rahmenbedingungen beachten:

Man sollte eine Tageszeit wählen, zu der der Biorhythmus des Menschen üblicherweise keine Tiefs verzeichnet, also zwischen 9 und 13 bzw. 16 und 20 Uhr.
Der Zeitrahmen (5 bis 30 min) ist festzulegen.
Jedem muss ungestörte Äußerung ermöglicht werden.
Kommentare, Korrekturen, Kritik sind verboten.
Spielregeln
Folgende Spielregeln sollten beachtet werden (vgl. Bommer o.J.):

Alle Teilnehmer müssen ihr Faktenwissen einbringen, auch wenn es für das Problem nicht relevant erscheint (denn es kann Assoziationen bei anderen wecken).
Einfälle der Teilnehmer dürfen nicht reglementiert werden.
Problemorientierung geht vor Lösungsorientierung, denn frühzeitiges "Einschießen" auf eine Lösung erschwert das Auffinden von Alternativen.
Geringer Konsens kann auch fördernd auf das Hervorbringen neuer, innovativer Ideen wirken.
Die Ideenbewertung kommt nach der Sitzung; diese dient der Ideenfindung.
In hierarchisch strukturierten Gruppen mit Abhängigkeitsverhältnissen darf der Vorgesetzte die von ihm vermutete oder favorisierte Lösung nicht äußern, denn die anderen schwenken sonst leicht darauf ein, anstatt innovativ und kreativ zu sein.
Quantität geht vor Qualität, denn es geht zunächst darum, Ideen zu produzieren.
Jeder Versuch einer Kritik oder Stellungnahme während der Sitzung soll vermieden oder aufgeschoben werden.
Es besteht kein individuelles Urheberrecht an Ideen, sondern ein kollektives, denn Kennzeichen des Brainstormings ist das Aufgreifen und Weiterspinnen von Ideen. Daher kann sich kein Beteiligter das Ergebnis oder Teile davon auf seine Fahne schreiben.
Leitung
Ob ein Gesprächsleiter nötig ist oder die Gruppe sich selbst organisiert, hängt von ihr und der Häufigkeit der Sitzungen im selben Kreis ab.

Wenn ein Leiter bestimmt wird, so hat er folgende Aufgaben

überwachen, dass die Spielregeln eingehalten werden
kurz ins Thema bzw. Problem einführen
Kommunikationsfluss durch unauffälliges Eingreifen aufrechterhalten
bei Abschweifen zum Thema zurückführen.
Werden diese Aufgaben als unnötig betrachtet, braucht die Gruppe keinen Leiter.

Protokoll
Zur Dokumentation der Ergebnisse ist ein Protokoll nötig. Dazu sind eine oder zwei Personen abzustellen, die nicht kreativ mitarbeiten.

Die geäußerten Ideen werden nummeriert und anonym festgehalten. Alle Vorschläge sind zu protokollieren, es darf nicht durch Weglassen gewertet werden. Rückfragen des Protokollanten sind unzulässig, da sie den Ideenfluss stören. Eine zusätzliche Tonbandaufnahme ist möglich, um sicherzustellen, dass nichts untergeht.

Das Protokoll wird entweder am Tisch zu Papier oder auf eine Tafel oder ein Flipchart gebracht. Letzteres kann der Ermunterung dienen, da die Teilnehmer sich leichter auf weiter zurückliegende Ideen beziehen können.

Kurz vor Beendigung des Brainstormings wird eine Zusammenfassung der Stichworte vorgelesen, um dann zum "Endspurt" zu kommen.

Teilnehmerzahl
Die Gruppe muss genügend groß sein, um die erforderlichen gruppendynamischen Anreize zu schaffen. Andererseits muss sie klein genug sein, um Kommunikation von jedem mit jedem zu ermöglichen. Es müssen auch alle vom Thema verlangten Disziplinen oder Spezialisierungen durch die Teilnehmer abgedeckt werden.

Großen Gruppen lassen sich möglicherweise in Untergruppen teilen, wobei das jeweilige Ergebnis der Gesamtgruppe zu referieren ist. Die konkreten Werte für die Gruppengröße gehen in der Literatur auseinander. Es werden Zahlen zwischen vier und mehr als zwanzig genannt.

Gruppenstruktur
Wenn die Gruppe fachlich heterogen ist, ist sie i.d.R. mit weniger Äußerungshemmungen behaftet, weil die gegenseitige Kontrolle in Fachdetails geringer ist. Allerdings haben heterogene Gruppen oft Verständnisprobleme, die nur durch Erklärungspausen überbrückt werden können.

Es gibt drei Typen von heterogenen Gruppen:

Gruppen, die sich in der fachlichen Kompetenz ergänzen, z. B. Architekt, Landschaftsarchitekt, Soziologe, Verkehrsplaner in der Stadtentwicklung
Gruppen, die sich in psychologischen Fähigkeiten ergänzen, z. B. Analytiker, Querdenker, Theoretiker, Praktiker
Gruppen, die sich in ihrem Charakterprofil ergänzen.
Bei der Teilnehmerauswahl sind kreative Typen zu bevorzugen, wobei zu fragen ist, was Kreativität ist und wie man sie misst. Für ein erfolgreiches Brainstorming sind sowohl Assoziationen als auch Wissensreproduktion nötig. Denkanstöße können durchaus von nicht besonders kreativen Personen ausgehen.

Wichtig ist es, dass die Teilnehmer die Fähigkeit haben, Probleme zu sehen, und sich von konventionellen, traditionellen Anschauungen lösen können. Es gibt daher kein Rezept für die Teilnehmerauswahl. Oft stellt sich dieses Problem auch gar nicht, weil man mit den vorhandenen Personen arbeiten muss. Dies ist aus Gründen der Motivation immer dann vorrangig, wenn die Umsetzung der Lösung von den Brainstormern erwartet wird.

Auswertung
Das Brainstorming kann nur Rohmaterial liefern, fertige Lösungen sind nicht zu erwarten.

Daher muss zunächst das Material strukturiert werden. Erstmals im Prozess ist nun Kritik wieder erlaubt und auch notwendig. Nachdem man ähnliche Ideen zusammengefasst hat, kann man z. B. nach Realisierbarkeit sortieren in: sofort realisierbar, später realisierbar, nach weiterer Bearbeitung realisierbar, nicht realisierbar.

Den Abschluss der Auswertung stellt eine Liste mit Vorschlägen dar. Wenn dabei nur fünf realisierbare Vorschläge herauskommen, war ein halbstündiges Brainstorming mit zwölf Teilnehmern bereits effizient, denn wie bekommt man sonst in 6 Personenstunden 5 praktikable Vorschläge hin?


Themenbeispiele
Beispiele für Brainstorming-Themen innerhalb des Planeralltags sind:

Leitbildentwicklung (Facetten sammeln)
Maßnahmen zur Entwicklung der Landschaft sammeln
Auswirkungsprofil von Vorhaben auf die Umwelt erstellen, insbesondere Wechselwirkungen berücksichtigen.

Probleme der Methode
Die Methode ist leicht zu erlernen, da man i.d.R. keine zehn Minuten braucht, um den Teilnehmern Sinn und Spielregeln zu vermitteln. Es sind darüber hinaus keinerlei Hilfsmittel nötig.

Das Brainstorming ist sicherlich geeignet, ohne große Vorarbeiten einen schnellen Einstieg in komplexe Themen zu bekommen. Die dabei gelernte Kommunikation kann auch förderlich für die Umsetzung sein.

Allerdings ist es nicht sicher, ob neue Ideen von kreativen Leuten nicht schneller im Alleingang ("Brainwriting") produziert werden können, also ob die Summe von Einzelergebnisse nicht besser ist als das Gruppenergebnis.

Es gibt einige formale Probleme:

Die Größe der Gruppe ist begrenzt, denn bei zu großen Gruppen werden die Intervalle zwischen den Beiträgen zu groß.
Selbstdarstellungsrituale einzelner Teilnehmer sind schwer zu unterbinden, ohne die Betreffenden zu brüskieren.
Wer von den Teilnehmern in der Lage ist, seine Vorstellungen besser und schneller zu formulieren, dem wird im Allgemeinen höhere Aufmerksamkeit zuteil, sodass es innerhalb einer Gruppe zu informeller Führerschaft kommen kann.
Auch nonverbale Kritik ist vom Grundsatz her zu unterlassen. Wer hat jedoch seine Mimik und Gestik so im Griff? Und wenn sich nichts regt, ist dies förderlich für kreatives Denken?
Es ist aber insbesondere fraglich, ob durch die Methode die Grenzen im eigenen Kopf überwunden werden können. Analytiker sollen plölich binnen 5 bis 30 Minuten kreativ werden, ihr lineares Denken soll überlistet werden. Kreative sollen sich unter Zeitdruck verbal äußern. Dies wird selten funktionieren, denn Kreativität lässt sich nicht durch Konstruktion von festen Regeln herbeizwingen (Braem 1986, 183 ff.)

In der Praxis wird häufig auch etwas als Brainstorming angekündigt, was bei näherem Hinsehen eine freie Diskussion innerhalb einer Konferenz ist: Leiter ist der in der Hierarchie am höchsten Stehende, es geht nicht ohne Kommentare ab, vermeintlich unangenehme Vorschläge unterbleiben.

Literatur
BOMMER, J., o.J.: Seminar Systemtechnik. Brainstorming, Morphologie, Scenario, Delphi und Delphi-Conference-Methode zum Auffinden und zur Definition von Systemalternativen und zur Erstellung von Prognosen. Manuskript: 1-74.

BRAEM, H., 1986: Brainfloating. Neue Methoden der Problemlösung und Ideenfindung, München.

CLARK, C.H., 1972: Brainstorming. Methoden der Zusammenarbeit und Ideenfindung, 215 S., 4. Aufl., München.

NIMMERGUT, J., 1975: Regeln und Training der Ideenfindung, München.

Mittelstands Anzeiger


Lesezeichen:

WebPack 3.0 von Host Europe