Ginseng zählt zu den ältesten Heilmitteln Ostasiens. In einigen fernöstlichen Ländern wird die unansehnliche Wurzel schon seit langem auch verwendet, um Libido und Stehvermögen des Mannes zu unterstützen. Roter Ginseng entsteht durch Wasserdampf-Konservierung des weißen Ginsengs. Seine sexuell anregende Wirkung wurde bislang nur in wenigen Studien überprüft. Wissenschafter der University of Ulsan gingen nun gemeinsam mit Forschern des Korea Ginseng and Tobacco Research Institute in Seoul der Frage nach, welche Effekte sich durch die Gabe von rotem Ginseng bei Erektiler Dysfunktion (ED)

erzielen lassen. An der Untersuchung nahmen 45 Männer mit Potenzproblemen teil.
Verbesserte Erektionsfähigkeit & mehr Ausdauer
Die Probanden erhielten drei Mal täglich entweder 900 Milligramm Ginseng oder ein wirkungsloses Placebo. Nach acht Wochen wurde die Behandlung für 14 Tage ausgesetzt. Anschließend verabreichte man jenen Männern, die zuvor Ginseng eingenommen hatten, für weitere acht Wochen Scheinmedikamente - vormalige Placebo-Probanden erhielten Ginseng. Weder die Wissenschafter noch die Teilnehmer wussten während der Studienlaufzeit, welche Personen welcher Studiengruppe angehörten.
Es zeigte sich, so die Forscher in ihrem Bericht in der November-Ausgabe des Fachmagazins "The Journal of Urology", dass sich sowohl erektile Funktion als auch sexuelle Lust und Befriedigung während des Geschlechtsverkehrs unter der Einnahme von Ginseng verbesserten. So berichteten diese Männer, leichter zu einer Erektion zu kommen und diese auch länger halten zu können. 60 Prozent stellten eine Verbesserung ihrer Erektionsfähigkeit fest, während dies nur bei 20 Prozent der Probanden aus der Placebo-Gruppe der Fall war. Welche Mechanismen durch die Anwendung der Heilpflanze in Gang gesetzt werden und in der Folge offenbar zu einer Verbesserung der erektilen Funktion führen, wurde in der Studie nicht untersucht. Die Wissenschafter nehmen jedoch an, dass durch die Einnahme die Produktion von Stickoxid - das für die Erweiterung von Blutgefäßen verantwortlich ist ? angekurbelt wird. Auf hormonelle Veränderungen sei dieser Effekt jedenfalls nicht zurückzuführen, da die Heilpflanze keinen maßgeblichen Einfluss auf die Testosteron-Spiegel nimmt.
Fragliche Wirksamkeit bei ausgeprägter Impotenz
Das Forscherteam stellte weiters fest, dass Ginseng zwar die erektile Funktion verbesserte, nicht jedoch die Blutzufuhr in den Penis förderte. Zudem berichteten die Männer auch nicht von häufigeren Samenergüssen bzw. von einer intensiveren sexuellen Befriedigung beim Orgasmus.
Dr. Franklin C. Lowe von der Abteilung für Urologie am St. Luke's Roosevelt Hospital in New York schwächte in einem Interview mit Reuters Health hingegen ab, die Studie sei zwar interessant, doch hätten daran keine Männer mit ausgeprägten Potenzproblemen teilgenommen, wie etwa Patienten nach Prostata-Entfernung oder Alkoholiker. Zudem wies Lowe darauf hin, dass aus dem Forschungsbericht nicht hervorginge, woraus sich das in der Studie verwendete Präparat tatsächlich zusammensetzte. Was die Nebenwirkungen betrifft, so könne Ginseng die Wirkung von Warfarin, einem Medikament zur Blutverdünnung, beeinträchtigen. Zudem bestünden gewisse Bedenken, dass die asiatische Heilpflanze die Androgen-Spiegel beeinflusst.
A.F.