Bin
ich Alkoholiker?
Darstellung und Verlaufsform des Gamma-Alkoholismus
Die nachfolgende Darstellung soll die körperlichen, geistigen und seelischen Veränderungen aufzeigen, damit der Einzelne die Alkoholkrankheit besser erkennen kann!
I. PHASE (Voralkoholische)
Man trinkt gelegentlich, später regelmäßig um sich zu entspannen und zu lösen.
Bei Freude, Ärger, Schmerzen, Einsamkeit, sowie Konfliktsituationen jeder Art.
Mit der Zeit kann man mehr Alkohol vertragen als früher, jedoch die Fähigkeit, mit Schwierigkeiten fertig zu werden, nimmt ständig ab!
II. PHASE (Prodromal oder Warnung)
Gedächtnislücken treten auf!
“Es fehlen einige Meter Film”; man weiß nicht, wie man nach Hause gekommen ist, man hat ein “schlechtes Gewissen”.
Heimliches Trinken!
Keiner soll wissen, wie viel und wie oft man trinkt; man gibt weniger an, als man in Wirklichkeit getrunken hat; man belügt sich und andere.
Zunehmende Abhängigkeit vom Alkohol!
Es werden Trinkgelegenheiten gesucht, provoziert und diese ausgedehnt; es werden Anlässe gesucht, um sich “mal richtig vollaufen zu lassen”; man denkt jetzt oft an Alkohol.
Erleichterungstrinken wird zum Reflex!
Jede Spannung wird durch Alkohol gelöst; die ersten Gläser werden hastig und gierig getrunken, der leichte und rosige Zustand soll schnell herbeigeführt werden.
Schuldgefühle
Man hat sich “daneben benommen”; aus Besäufnissen erwachsen Unannehmlichkeiten; man erkennt, dass man anders trinkt als die anderen; man spürt “ich tue nicht recht”; ein Gefühl des Versagens macht sich breit; durch neue Lügen, neue Schuld.
Gespräche über Alkohol werden gemieden!
Anspielungen auf Alkohol sind peinlich und reizen; ein Gespräch über den “besoffenen Herrn X” wird als Angriff auf die eigene Person empfunden.
Arbeitsplätze werden gewechselt!
Um einer Entlassung zuvorzukommen, kündigt man selbst; man wird entlassen, weil man sich durch das Trinken unmöglich gemacht hat; die eigene Arbeitsmoral wird immer schlechter.
Verhältnis zur Umwelt, Familie. Freunde usw.!
Man isoliert sich, alle üben Kritik und machen Vorwürfe; Liebe, Achtung, Verständnis sind nicht mehr wichtig; Trennungsabsichten; Alkohol ist wichtiger als alle Bindungen.
Auffälliges Selbstmitleid!
“Ich habe keinen Menschen, mich versteht keiner”; “alle haben mich verraten und verkauft”; “alle tun mir unrecht”; “es hat alles keinen Sinn, ich bin verloren”; Gründe zum Trinken hat man jetzt genug;
Geldsorgen!
Seit längerer Zeit können Verpflichtungen nicht eingehalten werden; es werden neue Schulden gemacht; man verliert die Übersicht über seine finanzielle Lage; aus anfänglichen Schwierigkeiten wird echte wirtschaftliche Not.
Selbstbeherrschung!
Man ist ständig gereizt; grundloser Unwille macht sich breit; man ist ungerecht und extrem egoistisch; “man fährt aus der Haut”; es kommt zu Tätlichkeiten.
Angst um den Vorrat an Alkohol!
Man versteckt Alkohol oder Geld an den unmöglichsten Orten; es ist wichtig, immer etwas zum Trinken zu haben; man hat echte Sorgen um diese Dinge.
Verlust der eigenen Willensstärke!
Man zerbricht sich selbst; kein Selbstvertrauen mehr; man tut anders, als man will; “ich bin ein großer Versager, ich will nicht trinken und kann es nicht lassen”. Man ist oft verzweifelt.
Geistige und körperliche Abhängigkeit!
Das
Trinken hat einen festen Platz im Denken und Fühlen; bei allen Plänen hat das
Trinken den ersten Platz, nach ihm richtet sich der weitere Lebenslauf;
Hoffnungslosigkeit läßt Selbstmordgedanken und -absichten aufkommen;
Selbstmordabsichten können in die Tat umgesetzt werden, sind echt, also keine
Show oder um Mitleid zu erwecken.
Trinken ist zur körperlichen Notwendigkeit geworden; es wird kaum noch etwas
gegessen; Beschwerden jeder Art werden durch Trinken behoben; oft wird
Krankenhausaufenthalt notwendig; als Gründe werden immer körperliche Beschwerden
angegeben, nicht die Abhängigkeit vom Alkohol.
Der sexuelle Trieb läßt nach!
Es kann zu einer befristeten alkoholbedingten Impotenz kommen, daher kein Interesse an der Frau (dem Mann); jedoch grundlos eifersüchtig auf jeden anderen Mann (andere Frau).
Morgendliches Trinken!
Es wird zur zwingenden Notwendigkeit nach dem Erwachen Alkohol zu trinken; man zittert und schwitzt stark, außerdem hat man ein schreckliches Würgen im Hals (trockenes Kotzen); es gibt nur ein Mittel, um all diese Beschwerden zu beseitigen: erneutes Trinken von Alkohol; Alkohol ist nun die Universalmedizin; Beschwerden - Trinken, Trinken - Beschwerden, Unruhe - Angstgefühle.
Häufige Gedächtnislücken!
Es fehlen ganze Zeiträume auch ohne starke Trunkenheit.
III. PHASE (Kritische)
Kontrollverlust!
Die Fähigkeit, mit dem Trinken aufzuhören wie andere, nimmt ab!
Man will nur “ein Glas” trinken; bestellt sich jedoch noch eins und noch eins und kommt zu keinem Ende; man glaubt ganz ehrlich, nur noch dies eine Glas trinken zu wollen, aber es werden jedes Mal viele Gläser; es geschieht nun häufig und zu den unmöglichsten Zeiten, daß aus einem Glas ein großes “Besäufnis” wird.
Eine Erklärung des Trinkverhaltens wird nötig!
Man versucht sich selbst und anderen sein Trinkverhalten durch Ausreden und Lügen zu erklären.
Renommistisches, aggressives Imponiergehabe!
Durch großspuriges Benehmen versucht man seine eigene Unsicherheit zu überspielen; man überschätzt sich und seine Möglichkeiten; Überempfindlichkeit und wachsendes Mißtrauen schaffen ständig neue Konflikte mit der Umwelt; abwerten der Umwelt, um sich selbst aufzuwerten.
Laufende Gewissensbisse!
“Wie konnte ich nur?” , diesen Ausspruch hört man jetzt häufig; die Selbstachtung sinkt rapide, man ist oft verzweifelt; Schuldgefühle und Unsicherheit nehmen zu.
Zeiträume völliger Abstinenz!
Durch Nackenschläge, meist sind sie wirtschaftlicher Natur; kommt es zu mehr oder weniger langen “trockenen Zeiten”; glaubt man selbst und auch die Umwelt, “das Problem” ist gelöst, entschließt man sich zum normalen Trinken.
Rückfälle!
Das normale Trinken funktioniert nicht und wird zur Qual; man genehmigt sich, meist heimlich, “einen außer der Reihe”; nach kurzer Zeit kommt es jedoch zu einem “großen Besäufnis”; aus einem Glas sind wieder viele Gläser geworden.
Gute Vorsätze, Versprechen und Entschlüsse!
Man verspricht seiner Umwelt “hoch und heilig”, “sich zu ändern”; diese Versprechen sind ehrlich gemeint; es wird beschlossen, “ich kaufe mir ein Auto, denn dann darf ich nicht trinken!”; aber alle Bemühungen schlagen fehl.
Änderung des Trinksystems!
Man wechselt die Art der Getränke; “ich darf keinen Schnaps trinken, der bekommt mir nicht. Ich trinke nur noch Bier!”; man legt “Trinkzeiten” fest; z.B. nur nach Feierabend oder nur an den Wochenenden; ich kaufe mir keinen Alkohol mehr und trinke nur wenn mir einer angeboten wird.
Gedankliche und geographische Flucht!
Man will weg, will ganz “neu anfangen”; glaubt bei einem Ortswechsel “jetzt bin ich meine alten Sorgen los, hier mache ich alles ganz anders!”; jedoch wohin man auch flieht, man nimmt sich selbst und seine Krankheit mit.
Interessenverlust auf allen Lebensbereichen!
Kein Interesse an anständiger Kleidung, es fehlen Knöpfe, die Hose ist ausgefranst; man wird unsauber; kein Interesse an gutem und ausreichendem Essen, wozu essen, kein Appetit; Liebhabereien werden unwichtig, haben keinen Sinn mehr, man wird stumpf!
Abnahme der Alkoholtoleranz!
Man verträgt nichts mehr; nach wenig Alkohol ist man schon betrunken.
IV. PHASE (Chronische)
Verlängerte Rauschzustände!
Manchmal tagelanges Trinken (Dauerrausch); an manchen Tagen bleibt man einfach im Bett liegen und trinkt bis man einschläft; Trinken erzeugt keine Hochstimmung mehr, man wartet vergeblich darauf und schläft ein; diese Zustände können sich über einige Tage erstrecken.
Ethischer Abbau!
Alle moralischen Werte werden gleichgültig; Ehrlichkeit, Treue, Verantwortung, Zuverlässigkeit, man kann mit diesen Begriffen nichts mehr anfangen.
Beeinträchtigung der geistigen Fähigkeiten!
Man kann nur noch wenig behalten; man kann sich schwer konzentrieren; man liest einen Satz mehrere Male und kann ihn nicht in seinem Sinn erfassen; einfache Denkvorgänge fallen schwer; oft weiß man nicht, ob man gewisse Dinge erlebt oder geträumt hat, dadurch ungerechte und falsche Urteile und Handlungen.
Trinken mit Personen unter dem eigenen Niveau!
Man verkehrt in üblen Kneipen der Halb- und Unterwelt; Kriminelle, Asoziale sind die Trinkgenossen; hier braucht man sich nicht zusammenzureißen, hier gibt es keine Tabus; als Säufer unter Säufern wird man verstanden und noch ein wenig geachtet.
Undefinierbare Ängste!
Man hat immer Angst, Angst vor morgen, Angst vor der Polizei, Angst vor den Gläubigern und eine grundlose Angst; man spürt “es nimmt kein gutes Ende!”; um diese Angst loszuwerden, muß man saufen!
Arbeitsunfähigkeit!
Man ist nicht mehr in der Lage, eine Tätigkeit zu beginnen; viele Alkoholkranke verlassen ihre Wohnung nicht mehr und lassen sich durch andere Alkohol beschaffen; Waschen, Rasieren, Essen, alles ist unwichtig geworden; andere treiben sich nur noch herum, sie betteln oder machen Gelegenheitsarbeiten, soweit sie dazu noch körperlich in der Lage sind.
Das Trinken wird zur Besessenheit!
Man
trinkt jetzt alles, selbst technische Produkte (Haarwasser, Spiritus,
Rasierwasser usw.) werden getrunken, wenn kein Alkohol zur Verfügung steht;
Diebstahl und Zechprellerei sind möglich; bei Absinken des Alkoholspiegels
setzen fürchterliche Abstinenzerscheinungen ein, die nur durch sofortiges
Trinken zu beheben sind.
Der Säuferwahn mit seinen Sinnestäuschungen kann einsetzen; man hört Stimmen,
sieht Tiere und Fabelwesen und erlebt die unangenehmsten Zustände der
Alkoholkrankheit.
Man bricht zusammen!
Nun gibt es nur noch wenige Wege:
Sofortige Behandlung der Alkoholkrankheit, den Weg ins Irrenhaus oder den Tod!