„Das werde ich dir nie verzeihen.“ – Dieser Satz dürfte einer der härtesten sein, die es gibt und einer der schmerzvollsten.
Schmerzvoll aber nicht nur für denjenigen, dem nicht verziehen werden kann, sondern vor allem für die Person, die nicht verzeiht.
Das wird oft übersehen.
Wenn wir von jemandem verletzt, hintergangen, ausgenutzt oder anderweitig enttäuscht und missbraucht wurden, wollen wir diese Person unseren Schmerz spüren lassen, indem wir ihr nicht verzeihen. Verzeihen würde für viele so etwas wie „Absolution erteilen“ bedeuten und genau das wollen wir nicht geben. Der andere soll auch leiden so wie wir.
Nun gibt es tatsächlich Personen, die darunter leiden, dass ihnen jemand nicht verzeihen kann. An ihnen nagen massive Schuldgefühle und sie würden alles dafür geben, ihre Tat rückgängig zu machen.
Genau mit diesen Personen könnten wir uns aber aussöhnen, denn hier gibt es Einsicht in den begangenen Fehler und das Bedürfnis zur Wiedergutmachung. Wenn wir es schaffen, solchen Personen zu verzeihen, kann daraus etwas ganz Wundervolles entstehen: Dann können Wunden heilen.
Es gibt aber auch Personen, denen es mehr oder weniger egal ist, ob wir ihnen verzeihen oder nicht. Diese sind sich vielleicht gar keiner Schuld bewusst oder sie haben nicht einmal richtig mitbekommen, was sie uns angetan haben. Und so sehr wir genau diese Menschen treffen wollen, so wenig können wir das, indem wir ihnen nicht verzeihen. Dem einzigen, dem wir damit Schmerzen zufügen, sind wir selbst, denn dem anderen sind wir nicht wichtig genug. Wir können diese Personen nicht verletzen nur uns.
Für mich folgt aus diesen Erkenntnissen nur eines: Dass es sehr wichtig ist, verzeihen zu lernen und das vor allem für uns selbst. In dem einen Fall ermöglicht uns das Verzeihen, ein neues Miteinander zu entwickeln und in dem anderen Fall ist das der einzige Weg, um uns von dem Einfluss, die die Person auf uns hat zu lösen. Erst wenn wir loslassen, können unsere Wunden heilen. Solange wir hadern und uns darauf konzentrieren, nicht zu verzeihen, reißen wir selbst die Narben immer und immer wieder auf.
Verzeihen ist manchmal sehr, sehr schwer – aber Verzeihen ist etwas, was wir für uns selbst tun sollten.
24.10.2007 • Kategorie: Miteinander • Von: Tania Konnerth
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