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Mittwoch, 18. Januar 2006, 18:46

Wie wede ich im Krankenhaus bevorzugt behandelt

Folgendes erhielt ich heute als Newsletter


Lieber Herr Fiedler,

mein Schwiegervater musste in der letzten Woche ins Krankenhaus. Als er sich anmelden wollte, stellte sich zunächst heraus, dass man den Untersuchungstermin nicht im Computer eingetragen hatte, also weder einen OP noch ein Bett reserviert hatte. Also wurde er von Station 1 in Station 2 geschickt, von dort wieder ins Erdgeschoss zur Anmeldung und dann wieder in die 2. Etage um dort zu erfahren, dass man erst am nächsten Tag ein Bett für ihn frei hätte. Zum Röntgen könne er aber schon mal gehen. Ganz geduldig verbrachte er dann auch die nächsten vier Stunden im Wartezimmer der Radiologie, weil - wie sich später herausstellte - seine Krankenakte zwischen den Stationen "hängen geblieben" war. Alle Ärzte und Krankenschwestern, die er freundlich angesprochen hatte, weil ihm die Wartezeit doch etwas zu lang erschien, fühlten sich nicht für ihn zuständig. Als er dann endlich an der Reihe war, wurde er von der sicherlich überarbeiteten Schwester auch noch angemault, warum er sich nicht früher gemeldet hätte. Als ich die Geschichte gehört habe, fehlten mir wirklich die Worte. Ist eine solche Behandlung im Krankenhaus heutzutage normal?

Mein Kollege Dr. Dietmar Kowertz, Chefredakteur von "Benefit“ hat Tipps für Sie, wie Sie sicherstellen, dass Sie in jedem Krankenhaus optimal behandelt werden - und das nicht nur medizinisch, sondern auch menschlich!

Hinterfragen Sie alles! Studien haben gezeigt, dass Krankenhauspatienten, die Fragen stellen, besser und respektvoller behandelt werden als die übrigen. Ihre Fragen veranlassen das medizinische Personal, Ihnen mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Wenn Sie die Medizinersprache manchmal nicht verstehen sollten: Fragen Sie nach und bitten Sie um Erklärung des Begriffs. Fragen zu stellen bedeutet auch, dass Sie mithelfen, mögliche Fehler des Krankenhauspersonals zu vermeiden.
Merken Sie sich, wer Sie behandelt. Auch die Krankenhäuser müssen Personal abbauen. Nicht jeder, der in weißer Kluft Ihr Zimmer betritt, ist ein Arzt oder eine Krankenschwester, es könnte auch eine Schwesternhelferin oder ein Praktikant sein. Wenn Sie jemanden nicht kennen, fragen Sie ihn, wie er heißt und welche Funktion er hat. Wenn Sie spüren, dass derjenige, der Ihnen z.B. einen Verband wechseln möchte, unsicher oder nicht ausreichend erfahren zu sein scheint, lehnen Sie höflich, aber bestimmt ab, von ihm behandelt zu werden. Sie werden überrascht sein, wie schnell jemand kommt, der qualifizierter ist.
Nehmen Sie Unaufmerksamkeit nicht klaglos hin. Wenn Sie sich über etwas beschweren, haben Sie das Recht auf eine qualifizierte Antwort. Falls Sie diese nicht bekommen, wiederholen Sie Ihre Beschwerde bei der Visite. Hilft auch das nichts, wenden Sie sich an den medizinischen Leiter oder an die Krankenhaus-Verwaltung.
Wenn Sie ernsthaft erkrankt sind oder kurz vor einer Operation stehen, haben Sie mitunter nicht die Energie und Beweglichkeit, sich um Ihre Rechte selbst zu kümmern. Dann ist es hilfreich, immer eine Person Ihres Vertrauens bei sich zu haben. In solchen Fällen ist es gut, wenn Sie eine schriftliche Patientenverfügung vorbereitet haben.
Wenn Sie mit den Weck-, Essens- oder Behandlungszeiten im Krankenhaus nicht klarkommen, sprechen Sie mit dem Personal darüber. Ich habe selbst einmal erlebt, dass in einem Krankenhaus nachts um Punkt 2:30 Uhr regelmäßig Blutdruck, Herzfrequenz und Temperatur gemessen wurden. Solche Zeiten können einer baldigen Genesung der Patienten nicht förderlich sein. Aber wenn niemand aufbegehrt...
Überzeugen Sie sich davon, dass die Mahlzeiten ausgewogen und aus frischen Zutaten zusammengestellt sind. Melden Sie sich, falls wenig oder gar kein frisches Obst und Gemüse aufgetischt werden, das Mittagessen schon kalt ist, wenn es auf Ihrem Zimmer ankommt, die Mahlzeiten zu ungewöhnlichen Zeiten serviert werden, weil diese angeblich besser in den Arbeitsablauf des Personals passen oder Ihnen nicht genügend Zeit zum Essen gelassen wird. Mein Tipp: Oft ist es besser, wenn Sie sich von Ihren Besuchern frisches Obst als Ergänzung mitbringen lassen. Fragen Sie aber vorher Ihren Arzt oder die Schwester, ob sie damit einverstanden sind und dieses Obst in Ihren Ernährungsplan passt.
Werden Sie sich Ihrer Rechte bewusst und lassen Sie sich weder von der Krankenhausatmosphäre noch von den weißen Kitteln einschüchtern. Sie haben das Recht, Therapiemaßnahmen abzulehnen, Ihre Krankenakte einzusehen, den Krankenhausaufenthalt abzubrechen, den Sie behandelnden Arzt abzulehnen, die Meinung eines anderen Mediziners einzuholen, die Behandlung durch einen Studenten oder Arzt im Praktikum abzulehnen.
Informieren Sie sich selbst über Ihre Erkrankung. Lassen Sie sich Bücher mitbringen, recherchieren Sie im Internet, eignen Sie sich so viel Wissen an wie nur möglich. Entscheiden Sie dann, ob Sie dem, wozu die Ärzte Ihnen raten, zustimmen.

Bleiben Sie gesund!

Ihre
Sabine Olthof
Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG
http://www.vnr.de

Mittelstands Anzeiger


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