Sie sind nicht angemeldet.

1

Freitag, 31. März 2006, 10:10

Bautzen "Gelbes Elend" und der "Stasiknast"

Habe eben eine sehr informative Seite über die Knastgeschichte in Bautzen gefunden.

Bautzen I "Gelbes Elend"

Am nördlichen Stadtrand Bautzens wurde Anfang des Jahrhunderts die zu ihrer Zeit modernste Strafvollzugsanstalt Sachsens erbaut. Bereits kurz nach Errichtung erhielt das Zuchthaus wegen der aus gelben Klinkern bestehenden Gebäudemauern seinen berühmt-berüchtigten Beinamen "Gelbes Elend".

1933-1945
in der Zeit des Nationalsozialismus wurden hier politische Gegner wie Kommunisten, Sozialdemokraten, aber auch Zeugen Jehovas inhaftiert. Prominentester Häftling war 1943/44 der Führer der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), Ernst Thälmann.

1945 bis 1950
diente die Anstalt der sowjetischen Geheimpolizei als Speziallager zunächst zur Internierung von Personen, die dem nationalsozialistischen Regime nahegestanden hatten. Diese Internierung fand ohne jede Einzelfallprüfung statt. Später wurden verstärkt Personen inhaftiert, die durch sowjetische Militärtribunale (SMT) in Geheimverfahren unter Verletzung aller rechtsstaatlichen Normen zu hohen Haftstrafen verurteilt worden waren. So waren im Speziallager Bautzen nationalsozialistische Funktionsträger, aber vor allem sozialdemokratische und bürgerliche Gegner des stalinistischen Systems sowie viele willkürlich Festgenommene unter unmenschlichen Bedingungen inhaftiert. Mindestens 2 800 Tote lassen sich in der Zeit von 1945 bis zur Übergabe des Lagers 1950 an die deutsche Volkspolizei bisher aus in Moskau lagernden Akten der Lagerverwaltung belegen. Ehemalige Häftlinge gehen von einer höheren Zahl an Opfern aus.

1950 bis 1989
unterstand Bautzen I dem Ministerium des Innern der DDR, Abteilung Strafvollzug. Nach Entlassung der letzten SMT-Verurteilten 1956 wurden nun in erster Linie mehrfach vorbestrafte und wegen schwerer Delikte langzeitverurteilte Kriminelle inhaftiert. Doch gab es daneben auch weiterhin politische Häftlinge: "Saboteure", "Boykotthetzer", Zeugen Jehovas, Republikflüchtlinge u. a. m. Erst mit der friedlichen Revolution 1989 endete die Geschichte des "Gelben Elends" als Ort politischer Verfolgung.

Seit Oktober 1990 ist Bautzen I dem Justizministerium des Freistaates Sachsen unterstellt. Die Justizvollzugsanstalt Bautzen ist heute zuständig für Untersuchungshaft und den Vollzug langer Freiheitsstrafen von männlichen Gefangenen.

Quelle:
http://www.stsg.de/main/bautzen/geschichte/elend/
»red« hat folgendes Bild angehängt:
  • abb_02.jpg

Mittelstands Anzeiger


2

Freitag, 31. März 2006, 10:11

Bautzen II Der "Stasi-Knast"

In unmittelbarer Nachbarschaft zum Amts- und Landgerichtsgebäude wurde Anfang des Jahrhunderts das Untersuchungsgefängnis Bautzen erbaut. In dem später als Bautzen II bezeichneten Gefängnis wurden neben Untersuchungshäftlingen auch verurteilte Strafgefangene inhaftiert.

1933-1945
waren auch politische Häftlinge in Untersuchungshaft, bevor sie von der nationalsozialistischen Justiz verurteilt wurden.

1945-1949
diente Bautzen II der sowjetischen Geheimpolizei als Untersuchungsgefängnis. Im benachbarten Justizgebäude hatte ein sowjetisches Militärtribunal (SMT) seinen Sitz. Sowohl Menschen mit einem SMT-Urteil, als auch Nichtverurteilte kamen von Bautzen II zumeist direkt in das Speziallager Bautzen im "Gelben Elend".

1949-1956
Nach der Übergabe des Gebäudekomplexes an die deutschen Behörden unterstand Bautzen II als Untersuchungsgefängnis anfänglich dem Justizministerium. 1951 wechselte die Zuständigkeit an das Ministerium des Innern und die Anstalt wurde Außenstelle von Bautzen I für den allgemeinen Strafvollzug.

1956-1989
war Bautzen II inoffiziell dem Ministerium für Staatssicherheit der DDR unterstellt, welches besondere Zugriffs- und Aufsichtsrechte über die Anstalt erhielt. Die Redewendungen vom "Stasi-" oder "Mielkes Privat-Knast" verdeutlichen dieses besondere inoffizielle Unterstellungsverhältnis in markanten Worten. Vorrangig wurde die Haftanstalt als Gefängnis für so genannte Staatsverbrecher genutzt. Viele Häftlinge verbüßten hier langjährige Haftstrafen aus politischen Gründen. Zu den Gefangenen zählten vor allem politische Gegner der SED-Führungsspitze, ausländische Häftlinge, die wegen Spionage oder Fluchthilfe verurteilt worden waren, aber auch straffällig gewordene Funktionäre aus dem DDR-Herrschaftsapparat. Erst mit den gesellschaftlichen Umwälzungen im Herbst 1989 rückte Bautzen II in das Licht der Öffentlichkeit und es begannen erste Entlassungen. Im Dezember 1989 wurden schließlich die letzten politischen Gefangenen freigelassen.

1990-1992
diente Bautzen II wieder als Außenstelle der JVA Bautzen. Im Januar 1992 wurde die Anstalt endgültig geschlossen.

Quelle:
http://www.stsg.de/main/bautzen/geschichte/stasiknast/
»red« hat folgendes Bild angehängt:
  • abb_05.jpg

Mittelstands Anzeiger


Lesezeichen:

WebPack 3.0 von Host Europe