Kennen Sie die Sage von dem Ringe der Frau Bucher?
Einst, so heißt es, gaben die Bucher an den Ufern des Süßen Sees ein großes Gastmahl, zu welchem Grafen und andere große Herren geladen waren. Es wurde dabei ein solcher Glanz und solche Pracht zur Schau gestellt, dass selbst die hohen an dergleichen gewöhnte Gäste erstaunt waren und den Reichtum der Herren Bucher priesen. Nur einer von den Gästen, ein alter grauer ehrwürdiger Priester, wollte nicht mit einstimmen in das Lob, sondern schüttelte bedächtig den Kopf und sprach:
„Ihr Herren, rühmet nicht den Reichtum unseres Gastgebers, rühmet vielmehr die Gabe Gottes, die ihm soviel irdisches Gut zu Teil werden ließ, und bedeutet, dass nicht Geld und Gut glücklich machen, denn auch großer Reichtum kann in kurzer Zeit vergehen."
Kaum hatte der Alte das gesprochen, so brach die Gemahlin des Handelsherrn in ein Gelächter aus und sagte:
„Meine lieben Gäste, wie töricht hat doch dieser Priester gesprochen. So gewiss als dieser Ring, den ich hier ins Wasser werfe, niemals wieder in meine Hände kommen wird, so gewiss wird auch unser Glück und unser Gut bestehen."
Mit diesen Worten nahm sie einen kostbaren Ring vom Finger und warf ihn lachend in die Fluten.
Lange Zeit nach diesem Vorfall, als derselbe fast schon in Vergessenheit geraten war, brachte eines Tages ein Fischer einen großen, prächtigen Fisch in den Palast der Bucher zum Verkaufe. Als die Köchin den Fisch zerteilte, sah sit etwas Glänzendes hervorleuchten. Sie untersuchte den Fisch genauer und fand einen Ring in demselben, welchen sie alsbald als den Ring ihrer Herrin erkannte. Erstaunt hierüber eilte sie zu ihr, zeigte ihr den Ring und erzählte den Vorgang. Sobald aber Frau Bucher den Ring erblickte, erfasste sie jäher Schrecken und zitternd an
allen Gliedern sank sie zu Boden, wohl ahnend, dass der Priester wahr gesprochen habe.
Seit dieser Zeit begann der Reichtum der Familie Bucher zu sinken. Ei- Unglück nach dem anderen traf sie, eine Feuersbrunst vernichtete fast ihre ganze Habe und in kurzer Zeit war vlftll ihrem Reichtum auch nicht ein Heller mehr übrig. Vollkommen verarmt hatten sie bald nicht einmal einen Ort,wo sie schlafen konnten, und mussten ihr Brot vor den Türen der Leute erbetteln.